Christoph Harting will sich am Wochenende in Braunschweig für die Sommerspiele in Tokio qualifizieren.  Imago/Bildbyran

Zuletzt ist nicht viel zu sehen und zu hören gewesen von Christoph Harting, dem Diskus-Olympiasieger von 2016. Außer in den  Vorabendsendungen „Klein gegen Groß“ und „Wer weiß denn sowas?“. Dort trat er mit seinem Bruder Robert auf, dem Diskus-Olympiasieger von 2012. Die beiden haben sich ausgesöhnt. 

Viel öfter ist Christoph aber zuletzt im Trainingszentrum Kienbaum gewesen. Dort bereitet er sich gerade auf die deutschen Leichtathletik-Meisterschaften im Rahmen der Finals vor. Die versprechen am Sonntag im Diskuswerfen so viel Spannung wie lange nicht. Warum? Weil drei Werfer besser als Harting sind und es keinen klaren Favoriten gibt.

Während Harting 2021 bislang auf eine Bestweite von 65,40 Meter kam, haben David Wrobel vom SC Magdeburg (67,30 m), Hennig Prüfer vom SC Potsdam (67,41 m) und der Olympiadritte von 2016, Daniel Jasinski vom TV Wattenscheid (67,47), nicht nur ihn, sondern auch die 66-Meter-Norm für die Olympischen Spiele in Tokio schon überboten.

Hinter Harting lauern zudem Martin Wierig vom SC Magdeburg (65,35 m) und der Potsdamer Clemens Prüfer (65,26 m) auf einen der drei Olympia-Plätze, die den Sportlern des Deutschen Leichtathletik-Verbandes zustehen. Über diese Situation freut sich Torsten Lönnfors, Hartings Trainer und gleichzeitig Bundestrainer, einerseits: „Die Verschiebung der Olympischen Spiele hat das bewirkt, was ich erhofft habe. Die anderen haben sich einen Schritt weiterentwickelt.“

Andererseits sagt Lönnfors: „Mit Christoph hängen wir gegenüber der Planung, die im Mai 68 Meter vorgesehen hat, drei Meter hinterher.“ Dafür gibt es mehrere Gründe. Einer ist die Wärme, in der Harting nur einmal war - beim Trainingslager in der Türkei. „Gerade für ältere Athleten ist es aber wichtig, dass nicht jede Wurfeinheit bei acht Grad, Regen und Schnee stattfindet. Bis Ende Mai war ja der Frühling nicht mal da“, sagt Lönnfors.

Zudem hatte sich Harting nach der Verschiebung der Olympischen Spiele dazu entschieden, 2020 keine Wettkämpfe mehr zu bestreiten und in Kienbaum den Lehrgang für den gehobenen Polizeidienst zu absolvieren. Neun Wochen Kienbaum am Stück, von 7 bis 16 Uhr Theorieunterricht, danach: Training. Seit Februar ist Harting Polizeikommissar.

Auf dem Weg zur Beförderung musste er zwei Praktika über vier Wochen leisten. „Nach einer Zehn-Stunden-Schicht am BER-Flughafen, vielleicht sogar einer Nachtschicht, ist Training aber leider nur noch halb so viel wert“, urteilt Lönnfors. „Wir konnten erst ab März richtig trainieren.“

2000 Würfe fehlen ihm. Was das für die Finals, die Olympiaqualifikation bedeutet? „Christoph muss mit der Drucksituation umgehen“, sagt Lönnfors: „Er weiß, dass es schwer wird. Er fährt zu den Deutschen, um da Gold zu machen. Ob das klappt, werden wir sehen.