Katharina Witt wünscht sie weiterhin Olympische Spiele in Deutschland – obwohl die Mehrheit der Bürger eine Austragung ablehnen. Imago

Olympische Spiele in Deutschland. Das passt einfach nicht mehr zusammen. Sechsmal in Folge sind nun Bewerbungen seit 1986 erfolglos gewesen. Die jüngsten Versuche wurden überschattet von Skandalen und der Verschwendung von Steuermitteln. Auch ein Grund, warum die Bewerbungen von München 2022 und Hamburg 2024 am Bürgerwillen scheiterten. Das eindeutige Votum, dass olympische Träume in Deutschland nicht mehrheitsfähig sind, will Doppel-Olympiasiegerin Katarina Witt nicht wahrhaben. 

Witt will Bürger nicht befragen

Die Eiskunstlauf-Legende hält München vielmehr weiter für die ideale Stadt. „Absolut. München und Bayern als Wintersportland“, sagte Witt und machte für einen dritten Olympia-Anlauf süffisant den Vorschlag: „Vielleicht sollte man auf eine Volksbefragung verzichten.“

In der Debatte um die Vergabe der Winterspiele nach Peking kritisiert sie auch die fehlende Konsequenz bei den deutschen Bewerbungen. „Es bekommt derjenige die Spiele, wer um sie kämpft“, sagte die einstige DDR-Läuferin. Wenn man nur richtig gewollt hätte, wäre man mit Deutschland und München die Ersten in der Welt gewesen, wo nach Sommerspielen auch Winterspiele stattgefunden hätten: „Aber wir wollten ja nicht!“

Witt: DEU träumt der Weltspitze hinter

Ganz genau! Und trotz der klaren ablehnenden Haltung der Mehrheit sagt Witt, die Botschafterin der Winterspiele-Bewerbung für 2018 in München war: „Man müsse aber weiter nach vorne denken: Die Menschen in unserem Land lieben Sport. Deshalb müssten die Verantwortlichen einfach sagen: Wir ziehen es durch!“

Während Witt die Realität in Sachen Olympia in Deutschland nicht akzeptieren will , schätzt sie die Misere des deutschen Eiskunstlauf realistisch ein. „Die Trainingsbedingungen in Deutschland sind leider so, dass wir der gesamten Weltspitze nur hinterher träumen“, sagte die 56 Jahre alte Schlittschuh-Ikone. „Es nutzt nichts, auf die Sportler kritisch einzuklopfen. Man kann ihnen weder den Ehrgeiz, den Fleiß noch den Willen absprechen.“

Dafür nimmt sie die Deutschen Eislauf-Union (DEU) in die Pflicht, die sich fragen solle, was man tun müsse, um wieder in der Weltspitze mitmischen zu können. „Dafür müssen die Bedingungen für die Sportler geschaffen werden“, meinte Witt. „Oder man entscheidet: Wir sind zufrieden, wie es ist, bleiben im undankbaren Mittelfeld und hoffen auf den einen oder anderen Ausreißer nach oben und auf einzelne Erfolge.“ Dies sei eine Sache „von Planung und kompromissloser Ehrlichkeit“.

Witt: DEU von Russland abgehängt

Versäumt habe die DEU zudem, mit dem Olympiasieg der Paarläufer Aljona Savchenko/Bruno Massot 2018 zu werben. „So ein Momentum kann etwas auslösen“, meinte die einstige Vorzeigeathletin der DDR. „Zum Beispiel, dass die nächste Generation oder mehr Kinder sie als Vorbilder ansehen und Lust auf Eiskunstlauf bekommen.“

Stattdessen sind DEU-Asse nicht nur von dem in Europa dominanten Russland abgehängt worden: „Wir sind in kleinen Schrittchen vorangegangen, während die Russen in Meilenstiefeln davonstürmen.“ Bei der EM im Januar konnten nur die Paarläufer Minerva Hase/Nolan Seegert als Achte einen Top-Zehn-Platz erreichen.

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