Jahrelang der Top-Star in der Halfpipe, nach dem letzten Olympia-Rennen spitze beim Tränenvergießen: Shaun White Imago/AAP

Na klar, auch diesmal hat Olympia – trotz aller Beschwerlichkeiten wegen Corona – wieder dieses gewisse Etwas, super Sport und tolle Typen zu bieten. Aber die Spiele in Peking sind für einige Hochglanz-Strahler der vergangenen Jahre auch so was wie ein Abklingbecken. Die Zeit für Höchstleistungen ist eigentlich vorbei, aber irre Spaß macht es trotzdem.

Sven Kramer: Auch Könige sind sterblich

Da wäre zum Beispiel Sven Kramer (35). Hollands Eisschnelllauf-König donnerte jahrelang die Konkurrenz in Grund und Boden. Dreimal in Folge holte er seit 2010 in Vancouver Gold über 5000 Meter. In Peking brauchte er für seine Schokostrecke 6:17,04 Minuten. Das reichte zu Platz 9 und der Erkenntnis: „Es war kein guter Lauf. Ich musste zu viel arbeiten. Gold war eh unrealistisch. Es war schon schwierig für mich, mich zu qualifizieren.“

Ja, auch Könige sind sterblich. Die vielen Jahre auf dem Eis hinterließen Spuren, der Rücken macht Kramer zu schaffen. Eine Wirbelsäulen-OP im Sommer befreite ihn von den größten Schmerzen. Doch als Tourist ist er trotzdem nicht in China. Mit dem scheinbar unschlagbaren Team der Holländer soll Olympia-Gold Nummer 5 (das vierte gab’s 2014 auch mit der Mannschaft) die Karriere krönen, der Massenstart zum Abschluss ist nur noch Zugabe.

Claudia Pechstein: Startschuss für die Ewigkeit

Das ist er auch für Claudia Pechstein (49). Berlins Kufen-Queen ist seit 1992 (!) in Albertville unter den fünf Ringen am Start, sammelte seitdem fünf goldene sowie je zwei silberne und bronzene Plaketten. Ihr Triumph in Peking war mit dem Startschuss der 3000 m perfekt, ihre achte Olympia-Teilnahme damit besiegelt. So viele hat keine andere Frau zu bieten.

Platz 20 von 20 Läuferinnen einen Tag, nachdem sie bei der Eröffnung die deutsche Fahne trug („Ein i-Punkt auf meiner Karriere und für mich mehr wert als alle meine olympischen Medaillen“), war da Nebensache: „Ich bin ganz stolz. Es war ein Sieg für mich.“

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Den Stolz kann sie noch steigern. Im Vorfeld der Spiele hatte Pechi schon einen möglichen Nachschlag angekündigt: „Ich kann mir gerade nicht vorstellen, dass meine Karriere nach Olympia vorbei sein sollte.“ 2026 in Mailand hätte sie dann auch Japans Skisprung-Ikone Noriaki Kasai (49) als ebenfalls achtmaligen Starter abgehängt und wäre auch älteste Winter-Olympionikin aller Zeiten.

Shaun White: Tränen nach dem letzten Tanz

So weit dachte Shaun White (36) nicht. Der Snowboard-Superstar wollte sich einfach noch mal feiern lassen. Der Ami – 2006, 2010 und 2018 Gold in der Halfpipe, 2014 Vierter – litt nie unter mangelndem Selbstbewusstsein, läutete seinen Abschied nach den Spielen mit den Worten ein: „Ich war der Name des Sports. Ich war der Sport.“

Auf jeden Fall war er immer für viel Spektakel und reichlich Rummel gut. So auch beim „letzten Tanz“. Statt auf dem Podest landete er auf dem Hosenboden, ließ nach Platz 4 den Tränen freien Lauf und tat kund: „Sorry, dass ich so schrecklich am Heulen bin. Ich bin nicht traurig über das Ergebnis.“ Scheiden tut halt doch mächtig weh.

Felix Loch : Blech kostet sicheres Gold

Große Pläne hatte auch Felix Loch (32). Dreimal mit Rodel-Gold dekoriert, aber seit er 2018 in Führung liegend Lauf Nummer 4 versemmelte und Fünfter wurde, läuft’s nicht mehr richtig rund. Statt ganz oben fand sich der Berchtesgadener auch diesmal nur neben dem Siegertreppchen wieder und verlor als Vierter auch noch den Platz in der Gold-Bank Team-Wettbewerb an Einzel-Olympiasieger Johannes Ludwig (35/Oberhof).

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