Claudia Pechstein und Francesco Friedrich tragen die Fahne für Deutschland ins Olympiastadion von Peking. Screenshot/ZDF

Und dann kamen sie: die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein und Bob-Dominator Francesco Friedrich, beide mit den Händen an der Flagge, führten die deutschen Athleten ins Pekinger Vogelnest-Stadion. Der Deutsche IOC-Präsident Thomas Bach applaudierte, die deutschen Sportler winkten.

Hinter der 49 Jahre alten Rekord-Olympionikin, die bereits ihre achten Spiele bestreitet, und dem Bob-Olympiasieger kamen die deutschen Sportler als 85. der 91 Mannschaften am Freitag in das Stadion. folgte etwa die Hälfte des 149-köpfigen Team D, in dem acht positive Coronatests schon von dem Start für Aufregung gesorgt hatten.

Das Team von China wurde von den geladenen Gästen gefeiert. AFP/Ben Stansall

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Die Kleidung für Olympia und auch die Winter-Paralympics ist in schwarz, rot und gold gehalten, außerdem sind Tigerstreifen zu sehen. Das Schwarz soll laut Hersteller Adidas eine Verbindung zum Gastgeberland schaffen, dessen Horoskop in diesem Jahr im Zeichen des Tigers steht. Der Tiger symbolisiere Kraft und Ausdauer. An der Gestaltung waren Biathletin Denise Herrmann, Eisschnellläufer Nico Ihle und Para-Skifahrerin Andrea Rothfuss beteiligt.

Francesco Friedrich and Claudia Pechstein führen die deutschen Athleten ins Stadion. AP/Jae C. Hong

Mit dem Einmarsch der Athleten aus 91 Ländern begann das Spektakel Olympische Winterspiele

Das ganze Olympiastadion in Peking in kaltes Eisblau getaucht: Mit dem Einmarsch der Athleten aus 91 Ländern begann das Spektakel Olympische Winterspiele. Traditionell durfte die kleine Auswahl aus Griechenland – wo Olympische Spiele ihren Ursprung haben – als erste Mannschaft die Parade anführen. Bei der weiteren Reihenfolge ging es nach der Anzahl der Striche im ersten Zeichen des Ländernamens auf Chinesisch.

Die handverlesenen Zuschauer ganz ruhig, erst beim Einmarsch der russischen Athleten, die wegen der Dopingskandale der Vergangenheit unter neutraler Fahne einmarschierten, jubelten sie zum ersten Mal. Dass es auch laut geht, zeigte sich dann beim Einmarsch der Chinesen. 171 Athleten gehen für das Gastgeberland an den Start. Chinas Sportler waren als einzige zu einem patriotischen Lied einmarschiert, alle anderen zu Klängen westlicher klassischer Musik.

Die chinesische Flagge wird während der Eröffnungszeremonie gehisst. dpa/XinHua

Um 21.51 Uhr Ortszeit erklärte Chinas Staatspräsident Xi Jinping das 16-tägige Riesensportfest mit 3000 Athleten aus 91 Nationen und 109 Entscheidungen ohne weitere Umschweife für eröffnet – danach flogen sofort die Feuerwerksraketen. Chinas Sportler waren zuvor als einzige zu einem patriotischen Lied einmarschiert, alle anderen zu Klängen westlicher klassischer Musik.

Das Motto der Eröffnungsfeier: „Eine Welt, eine Familie“.

Bei der bunten Eröffnungsshow, die wie schon 2008 der chinesische Filmregisseur Zhang Yimou inszenierte, traten auf einer kristallklaren „Eisfläche“ aus 11.600 Quadratmetern LED-Paneelen keine Profitänzer auf, sondern Studenten, Schüler und normale Bürger aus Peking und Umgebung. Das Motto „eine Welt, eine Familie“ nahm Bezug auf ein 2000 Jahre altes chinesisches Sprichwort, nach dem ein Weiser die ganze Welt als eine Familie begreift.

Die Eröffnungsfeier fand im so genannten Vogelnest in Peking statt. Imago/Eibner

Der Widerspruch zur Realität könnte nicht größer sein. Denn die Kritik am Ausrichter wegen der Menschenrechtsverletzungen vor allem im Umgang mit der muslimischen Minderheit der Uiguren und der Unterdrückung der Demokratiebewegung in Hongkong überschattet die 24. Winterspiele. Weltweit protestierten Menschen auch am Eröffnungstag, Aktivisten in Los Angeles, Neu Delhi oder Berlin zeigten Transparente mit „No Olympics“, „Spiele der Schande“ oder „Völkermord-Spiele“.

Chinas Staatspräsident Xi Jinping eröffnete die Spiele

Um 21.51 Uhr Ortszeit erklärte Chinas Staatspräsident Xi Jinping das 16-tägige Riesensportfest mit 3000 Athleten aus 91 Nationen und 109 Entscheidungen ohne weitere Umschweife für eröffnet – danach flogen sofort die Feuerwerksraketen.

Kurz nach den Worten des Gastgebers entzündeten die Langläuferin Dinigeer Yilamujiang und der Nordische Kombinierer Zhao Jiawen als letzte Staffelläufer bei minus fünf Grad das Olympische Feuer. Bemerkenswert: Yilamujiang stammt aus dem uigurischen autonomen Gebiet Xinjiang.

Anders als die meisten westlichen Staats- und Regierungschefs war Putin der Einladung seines Verbündeten Xi gefolgt und verfolgte die Eröffnungsfeier im „Vogelnest“-Stadion. Auch UN-Generalsekretär António Guterres und WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus standen auf der Gästeliste.

Die Eröffnungsfeier geriet zu großen Teilen ziemlich kitschig. AFP/François-Xavier Marit

Der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, rief in seiner Rede im Stadion zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander auf. „In unserer zerbrechlichen Welt, in der Spaltung, Konflikt und Misstrauen zunehmen, zeigen wir der Welt: Ja, es ist möglich, erbitterte Rivalen zu sein und gleichzeitig friedlich und respektvoll zusammenzuleben.“ Unter dem olympischen Dach werde es „keinerlei Diskriminierung“ geben. An die Politik gerichtet sagte Bach: „Geben Sie dem Frieden eine Chance.“

Bach appelliert an den Frieden – und dankt „gütigen“ Chinesen

Darüber hinaus verbeugte sich Bach erneut vor den Gastgebern der Winterspiele, deren Ehrgeiz eine „neue Ära für den globalen Wintersport“ ermögliche. „Wir können dieses neue Kapitel der Sportgeschichte nur dank unserer gütigen Gastgeber schreiben, der Menschen in China, denen wir von ganzem Herzen dafür danken, dass sie uns alle so herzlich empfangen haben“, sagte er.

IOC-Präsident Thomas Bach AP/Jae C. Hong

Bach dankte den Chinesen auch für ihren Einsatz in Zeiten der Pandemie, die „leider“ immer noch „Realität“ sei. „Vielen Dank, dass Sie diese Olympischen Winterspiele ermöglicht haben - und zwar auf sichere Weise für alle.“ Gleichzeitig betonte er, „unser Herz ist bei allen Athleten, die aufgrund der Pandemie ihren olympischen Traum nicht verwirklichen können.“

Erneut präsentierte Bach die olympischen Bühne als leuchtendes Beispiel für „eine zerbrechliche Welt, in der Spaltung, Konflikte und Misstrauen zunehmen“. Durch faires und respektvolles Miteinander zeigten vor allem Athletinnen und Athleten der Welt: „Ja, es ist möglich, erbitterte Rivalen zu sein und gleichzeitig friedlich zusammenzuleben.“

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Dies, betonte Bach, sei „die Mission“ der Olympischen Spiele: „Uns im friedlichen Wettbewerb zusammenzubringen; immer Brücken bauen, nie Mauern errichten. Die Menschheit in all ihrer Vielfalt zu vereinen.“

Wladimir Putin war einer der wenigen Staatsgäste vor Ort

Zu den nur rund 30 Staatsgästen gehörte Russlands Präsident Wladimir Putin, mit dem sich Xi am Rande der Feier über eine „gemeinsame Vision“ in Bezug auf die internationale Sicherheit austauschen wollte. Dabei sollte es unter anderem um die Ukraine-Krise gehen.

Der olympische Geist stehe „für Frieden, Respekt und Verständnis“, beschwor UN-Generalsekretär Antonio Guterres in einer Videobotschaft, „die Athleten verkörpern diese Werte und inspirieren uns alle.“

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