Da ist der WM-Titel futsch: Dominic Bösel liegt nach seiner K.o.-Pleite im Ringstaub. Foto: dpa/Ronny Hartmann

Der Titelverteidiger liegt k.o. auf dem Boden, schräg gegenüber feiert der Herausforderer wie Rumpelstilzchen den Sieg. Während sich Robin Krasniqi (33) in Magdeburg im dritten Anlauf endlich zum Weltmeister hämmert, ist Dominic Bösel (30) im Ringstaub zerbröselt.

Zwei Runden belauern sich beide, dann nutzt Krasniqi (Augsburg) seine Chance. Bösel (Freyburg), Lokalmatador und selbstsicherer Favorit, passt kurz nicht auf, fängt sich einen harten Kopftreffer und findet sich auf dem Hosenboden wieder. Ringrichter  Oliver Brien sieht nur einen Ausrutscher, zählt ihn deshalb nicht an. Erst als Bösel wieder steht, bemerkt auch der Referee die wackligen Knie. Aber da ist es zu spät. Krasniqi setzt gnadenlos nach, landet eine krachende Rechte am Kopf. Aus!

Nach 2:25 Minuten in Runde drei zählt Brien gerade mal bis fünf und beendet dann den Fight vor 2000 Zuschauern in der Halle und 2,5 Millionen TV-Guckern in der ARD. Krasniqi lässt sich die Gürtel als IBO-Champ und WBA-Interimsweltmeister im Halbschwergewicht umlegen, jubelt: „Dieser Kampf war nicht nur jetzt, er hat 15 Jahre gedauert. Ich habe Höhen und Tiefen erlebt, ich habe geweint. Wir sind jetzt da, wo wir hingehören.“ 2013 und 2015 war der Ex-Europameister im Supermittelgewicht in WM-Kämpfen noch gescheitert.

Bösel, der vorher von einem „sicheren Punktsieg, aber ich glaube, ich haue ihn um“ trötet, kassiert im 32. Profikampf seine zweite Pleite und stammelt hinterher nur ins Hallenmikro: „Ich bin erschrocken.“

 Ex-Champ Henry Maske (56) ist als Experte am Ring, hat wie so viele Bösel als Favorit auf dem Zettel. Als der an seiner Überheblichkeit gescheitert war, gibt es vom Gentleman noch eine fein formulierte, deshalb aber nicht weniger schallende Ohrfeige hinterher: „Wenn man extrem konzentriert ist und damit rechnet, passiert es einem vielleicht nicht so schnell, als wenn man das nicht einplant.“