Nina Meinke und ihr Trainer Kay Huste auf dem Dachboden. Privat

In seinem Ingenieurbüro in Spandau kann Christian Meinke jetzt dienstags und donnerstags mithören, wie seine Tochter trainiert. „Bum, bum“, die Zimmerdecke über seinem Schreibtisch vibriert. Nina Meinke ist Boxerin. Deutschlands erste Europameisterin im Federgewicht


Seit die Corona-Beschränkungen ihren Trainingsraum geschlossen haben, trainiert die 27-Jährige auf dem Dachboden des Gründerzeit-Hauses, in dem ihr Vater wohnt und arbeitet. „Not macht erfinderisch“, sagt Nina. Auf dem Dachboden gibt es keine Heizung und kein Licht. „Dort standen nur ein paar Schränke rum, Ninas alte Schlitten, ein halb voller Gipssack“, sagt Christian Meinke.

Er ist nicht nur Ninas Vater, sondern auch ihr Manager und zudem ein guter Freund des früheren Box-Weltmeisters Sven Ottke, weshalb Ottke Ninas Paten-Onkel ist. Erst mal fegte Vater Meinke auf dem Dachboden den Staub von den Dielen und hängte den ledernen Box-Sack, den er seiner Tochter mal vor 20 Jahren zu Weihnachten schenkte, an einen Dachbalken. Den Gipssack nutzt Nina jetzt für  Kraftübungen. Auf den Schlitten macht sie Liegestütze.  

Ihr Trainer Kay Huste brachte Kurzhanteln und Gummibänder mit, stellte ein neues Programm für seine Boxerin zusammen, die eigentlich auf einen Kampf um den WM-Titel Anfang Mai hingearbeitet hatte. Aber der fiel wegen Corona aus. „Da war Nina natürlich sehr geknickt“, sagt Huste. Aber: „Aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Wenn Ninas Promoter Ulf Steinforth sagt, jetzt geht’s los, sind wir bereit.“