Sieht fast aus wie bei der Tour de France, ist aber die Siegerehrung bei Paris-Nizza mit Maximilian Schachmann.  Foto: dpa

Vergessen wir mal kurz mal die Corona-Krise und denken einfach, es wäre eine ganz normale Radsport-Saison. Dann könnte man nach dem bisherigen Verlauf bester Dinge sein, dass es eine aus deutscher Saison tolle wird.

In den 80ern forderte die Berliner NDW-Sängerin Ina Deter lauthals „Neue Männer braucht das Land“. Knapp 40 Jahre später wird sie erhört. Im wahrsten Sinn des Wortes. Denn Maximilian Schachmann (26), Emanuel Buchmann (27) und Pascal Ackermann (26/alle Team Bora-hansgrohe) sind die neue deutsche Rad-Welle, sind Siegfahrer für alle Fälle.

Allrounder mit Löwenherz

Der Berliner Schachmann fuhr mit seinem Triumph bei der Fernfahrt Paris-Nizza endgültig raus aus dem Pulk der Geheimtipps. Der Allrounder – gut im Zeitfahren, gut in den Bergen, gut im Sprint kleiner Gruppen – machte mit einigen Erfolgen schon auf sich aufmerksam, wurde 2019 auch Deutscher Meister. Paris-Nizza ist jetzt sein Durchbruch. Schachmann, der Kämpfer mit Löwenherz: „Das war für mich ein richtig großer Schritt.“

Kletter-Spezi mit Hoffnungen

Den hat Buchmann aus Ravensburg in Oberschwaben schon hinter sich. Als Tour-de-France-Vierter 2019 tummelt sich der Schweiger im Kreis der ganz Großen. Der Rundfahrt- und Kletter-Spezi startete mit einem Sieg auf Mallorca in die Saison, richtet alles auf die Tour aus, weil deren diesmaliger Streckenverlauf fast wie gemacht für ihn ist: noch mehr Berge als 2019, nur ein Einzelzeitfahren, das ebenfalls in der Höhe endet, kein Teamzeitfahren. Emu versprach, als Corona noch nicht für Stillstand sorgte: „Wir werden ein starkes Team am Start haben.“ Noch ist die Tour (ab 27. Juni) im Gegensatz zum Giro d’Italia (ab 9. Mai), Mailand-Sanremo oder Flandern-Rundfahrt noch nicht abgesagt. Und Radfahrer können als Einzelsportler auch in der Krise ungebremst trainieren, wären bei einem Saison-Neustart fit.

Sprinter in der Warteschleife

Das gilt auch für Sprint-Ass Ackermann. Aber den Traum von der Tour musste der Pfälzer aus Kandel schon begraben. Obwohl er wie 2019 (da mit 13 Triumphen erfolgreichster deutscher Radprofi) zum Auftakt bei der Clasica de Almeria in Spanien zum Sieg spurtete und dann den Auftakt der UAE-Tour in Dubai gegen die komplette Weltelite gewann, hat sein Team mit ihm andere Pläne. Ackermann: „Es gibt immer Träume, die sich nicht sofort erfüllen lassen, aber für 2021 habe ich das Wort vom Teamchef.“

Bis dahin gibt ihm Bora-hansgrohe „mehr Freiheiten“. Dass Ackermann die zu nutzen weiß, hat er bewiesen. Wenn das Coronavirus nicht weiter alles ausbremst ...