Extravagante Radkappe? Satellitenschüssel? Nee, Charles Leclerc zeigt nach dem Australien-GP stolz den Sieger-Pokal. Foto: AP/Asanka Brendon Ratnayake

Nach nur drei Rennen der Saison 2022 hat Ferrari die alte Hierarchie der Formel 1 gestürzt und eine neue Monarchie gegründet. Prinz Charles Leclerc (24) regiert mit seinem zweiten Sieg nach Bahrain die Königsklasse mit 34 Punkten Vorsprung auf Mercedes-Kronprinz George Russell (24), der Sir Lewis Hamilton (37) vom Podium verdrängte. König Max Verstappen (24) fiel zum zweiten Mal nach Bahrain aus und Sebastian Vettel (34) ist nur noch der Hofnarr.

Prinz Charles und Ferrari regieren

Leclerc fuhr in seiner Roten Göttin F1-75 in einer eigenen Welt und schaffte einen heutzutage seltenen Grand-Slam: Poleposition, Sieg, schnellste Rennrunde und Führung vom Start bis ins Ziel! „Das Auto war unglaublich! Das war der erste Sieg, bei dem wir den Abstand kontrollierten konnten“, jubelte der Monegasse, der dank seines überlegenen Autos schon früh in der Saison vom ersten WM-Titel träumen darf.

„Das ist ein guter Abstand, aber wir müssen weiter Druck machen“, sagte er und freute sich schon aufs Ferrari-Heimspiel in zwei Wochen in Imola: „Ich darf gar nicht daran denken, was da abgeht.“

Fakt ist: Leclerc ist durch seine zwei Siege und den Ausfall von Carlos Sainz (27) durch ein falsch montiertes Lenkrad schon jetzt Ferraris Nummer eins, Teamchef Mattia Binotto (52) wird den Spanier zum Edelhelfer degradieren.

König Max Verstapppen stürzt

Verstappen wurde zum zweiten Mal in drei Rennen zum Opfer seines unzuverlässigen Red Bull. „Wenn man um eine Meisterschaft kämpft, kannst du nicht schon zwei Ausfälle haben“, schimpfte „Mad Max“.

Und wie beim WM-Start in Bahrain lag es am nun in Eigenregie eingesetzten Honda-Motor. Während in der Wüste kein Benzin mehr in den Motor gelangte, trat laut Sportchef Dr. Helmut Marko (78) nun massiv Benzin aus, so dass der Red Bull sogar Feuer fing.

Der „Doktor“ diagnostizierte zudem, dass Verstappen aufgrund des Reifenabbaus ohnehin nicht mit dem Speed von Leclerc hätte mithalten können: „Dieses Paket, das Ferrari auf die Bahn gestellt hat, war für uns unerreichbar.“

Doch um „Mad Max“ zu besänftigen, kündigte er an: „In Imola bringen wir ein Update an, dass uns auf Augenhöhe mit Ferrari bringen wird.“

Hamilton und Mercedes kämpfen

Hamilton schoss beim Start am Zweiten Sergio Perez (32) vorbei, musste den Mexikaner aber später wieder ziehen lassen und fiel durch das Safety-Car noch hinter seinen jungen Herausforderer Russell zurück. Im Rennen beschuldigte der Brite noch seine Boxencrew („Jungs, ihr habt mich in Trouble gebracht“), doch später sah er seine Fehleinschätzung ein.

Am Ende freute er sich über das Teamergebnis. Zurecht, verriet Russell doch nach seinem zweiten Podium nach Spa 2021 im Williams (2.): „Wir liegen deutlich hinter Ferrari und Red Bull, und hier waren wir in Sachen Speed sogar nur fünfte Kraft, noch hinter McLaren und Alpine.“

Vettel nur noch Hofnarr

Der Aston Martin von Sebastian Vettel wird nach dem Crash in Runde 24 von der Strecke bugsiert. Foto: AFP/Paul Crock

Was für ein Pannen-Comeback für den Ex-Weltmeister: Nach seiner Corona-Zwangspause in den ersten beiden Rennen, einem Trainingscrash und zwei Knöllchen wegen unerlaubten Rollerfahrens auf der Strecke und Boxengassen-Blitzer (zusammen 5600 Euro) setzte er seine grüne Aston-Martin-Gurke in der 24. Runde in die Mauer.

Der Einschlag war so heftig, dass er im Medical Center untersucht werden musste. „Es ist alles in Ordnung“, sagte Vettel, was man für seine und die Teamleistung nicht sagen kann.

„Ich habe es vielleicht ein bisschen zu sehr versucht und das Auto verloren“, nahm er den Crash trotz des schwierig zu fahrenden AMR22 auf seine Kappe. Vettels Fazit: „Schlimmer kann's jetzt nicht werden als dieses Wochenende.“

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