Tennis-Profi Andy Murray trainiert schon in Tokio.  dpa/Wang Lili/XinHua

Jetzt droht die Situation wirklich zu eskalieren. Kurz vor der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele in Tokio könnte die Veranstaltung doch noch ins Wanken geraten. Denn: Die Corona-Zahlen steigen dramatisch. 

Laut dem Chef des Organisationskomitees, Toshiro Muto, könnten die Spiele auch in letzter Minute noch abgesagt werden. Er wollte laut Sky eine Absage im letzten Moment – auch Stunden vor der Eröffnungszeremonie – nicht mehr ausschließen.  

Ziehen die Veranstalter den Stecker? 

Muto wörtlich: „Wir haben vereinbart, dass wir aufgrund der Coronavirus-Situation Fünf-Parteien-Gespräche einberufen.“ Bei diesen Gesprächen wollen die Veranstalter entscheiden, „welche Maßnahmen zu ergreifen sind“. Da „die Coronavirus-Fälle steigen oder fallen“ könnten, „werden wir darüber nachdenken, was wir tun sollen, wenn die Situation eintritt“.

Dass das  Coronavirus wieder zu einem relevanten Problem in Tokio wird, stellt die Organisatoren vor wachsende Herausforderungen. Die englische Zeitung Sun schreibt, Japan sei gewarnt worden, dass sich die Fälle bis zum Ende der Spiele verdoppeln könnten. Einige Athleten haben ihre Teilnahme bereits abgesagt. Daher, so die Sun „scheinen die Organisatoren ernsthaft darüber nachzudenken, den Stecker notfalls zu ziehen“.

Der Chef des Organisationskomitees Toshiro Muto schließt eine Absage der Spiele nicht mehr aus.  imago/Xinhua

Wettbewerbe ohne Zuschauer

Sicher scheint: Olympia steht unter keinem guten Stern: Erstmals in der Geschichte finden die Wettbewerbe ohne Zuschauer statt. Der deutsche Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, ist trotzdem davon überzeugt, dass von den Athleten keine Gefahr für die japanische Bevölkerung ausgeht. Für entsprechende Äußerungen erntete Bach heftige Kritik.

Laut einer Umfrage in Japan sagten 68 Prozent der Einheimischen wenige Tage vor der Eröffnung, dass die Spiele nicht sicher durchgeführt werden können. Nur 21 Prozent glauben, dass die Spiele „sicher“ sein werden. Premierminister Yoshihide Suga hat dagegen wiederholt erklärt, dass Olympia kein Risiko darstellt.

Zahlreiche Sponsoren springen ab

Zahlreiche Sponsoren haben inzwischen ihre Teilnahme an der Eröffnungsfeier abgesagt. Zudem sorgt ein Skandal um ein Musikstück, das bei der Feier hätte gespielt werden sollen, für Aufregung. Genauer: der Komponist. Über Keigo Oyamada, der mit Künstlernamen Cornelius heißt, wurde bekannt, dass er vor 20 Jahren damit geprahlt haben soll, in seiner Schulzeit behinderte Mitschüler gemobbt zu haben.

Toyota gab bekannt, dass das Unternehmen während der Spiele keine lokalen Fernsehwerbung ausstrahlen wird, obwohl der Autohersteller zu den Olympia-Sponsoren gehört. Der Reifenhersteller Bridgestone habe ebenfalls entschieden, keine Werbespots zu zeigen, sagte ein Sprecher laut Japan Times.