Auf die Zweikämpfe kommt es im Derby an. Grischa Prömel überrannte mit Union die Herthaner wie hier Lucas Tousart in dieser Saison bereits zweimal.
Auf die Zweikämpfe kommt es im Derby an. Grischa Prömel überrannte mit Union die Herthaner wie hier Lucas Tousart in dieser Saison bereits zweimal. Foto: Imago Images/Eibner

Das wurde aber auch Zeit. Nach über zwei Jahren grauer Pandemie-Zeit wird es Sonnabend (18.30 Uhr) im Olympiastadion wieder bunt – ausverkaufte Hütte, knapp 75.000 Fans kommen. Es ist wieder Derby-Zeit: Blau-Weiß gegen Rot-Weiß. Für den 1. FC Union ist es schon vorher ein Volksfest, für Hertha BSC wird es ein Stresstest im Abstiegskampf. Der neue blau-weiße Trainer Felix Magath (68) greift deswegen auch ganz tief in die Psycho-Trickkiste und sagt: „Union ist klarer Favorit, das ist doch gar keine Frage!“

Heimspiel im Derby, volles Haus und selbst Herthas Coach sagt, dass der Lokalrivale die Nase vorne hat. Wie geht das denn? Vordergründig könnte man sagen: Union steht auf Platz 7, Hertha auf Rang 17. Die Köpenicker haben eine realistische Chance auf die Europa League, Hertha zittert um den Klassenerhalt.

Doch Magath ist ein Trainer-Fuchs, deswegen betont er die Rollenverteilung in dem Derby. Er will von den eigenen Spielern etwas Druck nehmen und den Gegner in Sicherheit wiegen.

Fischer: „Wir wollen Platz 5 oder 6“

Unions Trainer Urs Fischer darf gute Laune haben. Sein Team hat noch Chancen auf die Europa League.
Unions Trainer Urs Fischer darf gute Laune haben. Sein Team hat noch Chancen auf die Europa League. Foto: City-Press

Die Köpenicker haben ihre Zurückhaltung in Sachen Europa aufgegeben. Selbst der sonst so vorsichtige Coach Urs Fischer (56) sagt jetzt: „Wir wollen alles noch mal reinhauen in den restlichen sechs Spielen. Wir sind uns einig: Wir werden versuchen, an Platz fünf, sechs noch mal heranzukommen.“

Magath zollt Fischer den höchsten Respekt und lobt ihn – auch für die Euro-Ansage: „Der Union-Trainer ist ein sehr guter Mann. Das hat er gut gemacht, jetzt von Europa zu reden. Soll er etwa nur sagen: Wir haben schon zwei Derbys gewonnen, jetzt wollen wir auch das dritte gewinnen? Fußballer brauchen immer neue Ziele.“ Doch der Methusalem, der Hertha retten soll, sagt mit einem Gewinner-Grinsen: „Ob das dann ausreicht, werden wir sehen. Denn wir haben auch Chancen zu gewinnen.“

Magath appelliert an Fans

Herthas Trainer Felix Magath grübelt noch, welche Profis er beim Derby spielen lässt.
Herthas Trainer Felix Magath grübelt noch, welche Profis er beim Derby spielen lässt. Foto: dpa

Magath, dem einige fälschlicherweise eine gewisse Unnahbarkeit nachsagen, hat erstaunlich schnell begriffen, wie diese Stadt tickt und hält einen flammenden Appell an die Fans: „Es geht nicht um Personen. In der jetzigen Lage geht es nur um Hertha BSC. Alle müssen jetzt zusammenhalten. Ich bitte die Fans um möglichst viel Unterstützung im Stadion. Die Spieler brauchen das. Sie wollen auch, das ist keine Frage.“

Der Trainer baut auf ein blau-weißes Bollwerk auf den Rängen. Manager Fredi Bobic sieht es genauso: „Es wird diesmal eine andere Stimmung sein wie noch beim Pokalspiel im Olympiastadion. Es wird der Mannschaft guttun. Wer da Angst hat, hat den Beruf verfehlt. Ein Sieg würde viel Energie im Saisonendspurt geben. Es kann ein Stimmungsaufheller werden, aber dafür musst du ackern.“

Tja, das wird aber auch Union tun. Denn genau das ist die eiserne DNA auf dem Platz. Fischer kann sich auf den Kampfeswillen seiner Jungs verlassen und sagt nur: „Für mich ist es etwas Neues, wenn das Olympiastadion voll ist. Das habe ich so noch nicht erlebt, auch viele meiner Jungs nicht. Darauf freuen wir uns. Ich mache mal lieber den einen oder anderen Fehler vor 70.000 als vor 3000, es macht einfach mehr Spaß.“

Für Union mag das stimmen, für Hertha nicht. Denn es gab schon zu viele Fehler in dieser Saison …

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