Sebastian Vettel bezieht in der Wüste von Bahrain die nächste wüste Niederlage.  Foto: imago images/HOCH ZWEI/Pool/COLOMBO IMAGES

Das zweite Bahrain-Rennen nach dem furchtbaren Feuerunfall von Romain Grosjean (34) und der Corona-Infektion von Weltmeister Lewis Hamilton (35), und die Formel-1-Fans dürfen auch auf der langen Streckenvariante ein Nacht-Spektakel erwarten (Sonntag, 18.10 Uhr, RTL). Mercedes-Speerspitze Valtteri Bottas (31) schnappte sich zwar die Pole, doch Hamilton-Ersatz George Russell (22) war verdammt nah dran und auch Red-Bull-Heißdüse Max Verstappen (23) dürfte dem Finnen ordentlich einheizen.

Es war fast ein historisches Qualifying: Zum ersten Mal seit 2007 wurde der Kampf um die Pole ohne Rekordmann Hamilton gestartet, der damit in dieser Saison die 100 nicht mehr vollmachen kann. Der Weltmeister musste wegen seiner Corona-Infektion in der Selbstisolation in seinem Hotelzimmer zuschauen, wie sich sein Ersatzmann Russell in seiner „schwarzen Bestie“ gegen Edelhelfer Bottas schlug.

Und der junge Brite, vom Kundenteam Williams an Mercedes ausgeliehen, musste sich nur um 26 Tausendstel geschlagen geben. Russell sah es mit einem lachenden und einem weinenden Auge: „Schade, dass so wenig auf die Pole gefehlt hat. Aber hätte mir letzte Woche wer gesagt, dass ich im Qualifying Zweiter werde, hätte ich gesagt, du spinnst!“

Verstappen im Angriffsmodus

Bottas fühlte sich durch die Russell-Situation unter Druck gesetzt und gab zu: „Es war nicht mein bestes Quali, aber ich stehe auf Pole. Das ist das Wichtigste. Ich bin froh, dass ich vorne stehe, denn Überholen ist nicht so einfach.“

Das weiß auch Verstappen, der die medium-bereiften Mercedes gleich am Start auf seinen weichen Reifen angreifen will: „Ich stehe auf der sauberen Seite der Strecke, das könnte ein Vorteil gegenüber George sein. Aber es wird ein langes Rennen, da kann alles mögliche passieren wie wir letzte Woche gesehen haben.“

Der zweite Ersatzmann, der für den wegen seiner Brandwunden aussetzenden Grosjean sein Debüt gebende Brasilianer Pietro Fittipaldi (24), musste sich mit dem letzten Startplatz zufrieden geben.

Vettels Auto ohne Grip

Bei Ferrari setzte es für Sebastian Vettel (33) nach dem Zoff mit Inteamfeind Charles Leclerc (23) über dessen freches Überholmanöver im ersten Bahrain-Rennen die nächste Quali-Klatsche. Während sich der Monegasse mit nur einer schnellen Runde für den vierten Startplatz qualifizierte, scheiterte Vettel nach einem Motorwechsel erneut und startet nur von 13.

Vettel haderte: „Ich war nicht schnell genug. Irgendwie habe ich in der Schikane nicht den Grip gefunden, der nötig war, um auf den Geraden schnell zu sein. Ich bin aber froh, dass ich überhaupt rausfahren konnte nach dem Motorwechsel.“

Neue Chance für Hülkenberg?

Enttäuschung auch bei Red Bull. Der als Verstappen-Helfer überforderte Alexander Albon (24) strandete auf dem zwölften Startplatz und wird dem „fliegenden Holländer“ keine Schützenhilfe im Kampf gegen die Silberpfeile bieten können. Der Thailänder liefert inzwischen mehr Argumente für seine Ablösung durch Nico Hülkenberg (33) als dagegen und wird wohl auch von Red-Bull-Mehrheitsaktionär Chalerm Yoovidhya (70) zu halten sein.