Hat mächtig Grund zur Freude: Das Bundesverfassungsgericht hob ein Doping-Urteil gegen die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (50) auf.
Hat mächtig Grund zur Freude: Das Bundesverfassungsgericht hob ein Doping-Urteil gegen die Eisschnellläuferin Claudia Pechstein (50) auf. Imago/Zoonar

13 Jahre kämpfte sie sich durch alle Instanzen, jetzt hat Claudia Pechstein (50) endlich Grund zum Feiern: Das Bundesverfassungsgericht, Deutschlands höchste richterliche Instanz, hebt ein Doping-Urteil gegen Berlins Eisschnellläuferin auf. Nach 13 Jahren Doping-Kampf: Pechstein-Sieg, Gysi-Jubel und Millionen-Forderung.

Dass Pechstein Ausdauer hat, wissen mittlerweile nicht nicht nur ihre Konkurrenten auf dem Eis. Die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin gewinnt ihren Prozess-Marathon im Kampf gegen ein Doping-Urteil. Damit winkt Pechi Schadensersatz in Millionenhöhe für ihre zweijährige Unrechtssperre von 2009 bis 2011.

Im Detail wurde nach geschlagenen sechs Jahren einer Verfassungsbeschwerde Pechsteins stattgegeben. Das Urteil des Bundesgerichtshofs vom 7. Juni 2016 ist damit aufgehoben, der Fall wandert zurück an das Münchner Oberlandesgericht, wo Pechi nun ihre Klage gegen die Internationale Eislauf-Union (ISU) fortsetzen kann.

Pechstein-Erfolg lässt Gregor Gysi jubeln

Berlins Claudia Pechstein (50) kann nun den Eisschnelllauf-Weltverband ISU weiter auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen.
Imago
Berlins Claudia Pechstein (50) kann nun den Eisschnelllauf-Weltverband ISU weiter auf Schadensersatz in Millionenhöhe verklagen.

Pechsteins Lebensgefährte und Verbandspräsident Matthias Große jubelt: „Der Sportler und Mensch Claudia Pechstein hat heute etwas Großartiges erreicht. Für sich selbst und für alle anderen deutschen Sportler, die in die Mühlen der Sportgerichtsbarkeit geraten können.“

Was war passiert? Pechstein wurde vom Eisschnelllauf-Weltverband ISU von 2009 bis 2011 aufgrund auffälliger Blutwerte offiziell wegen Dopings gesperrt, bestritt aber stets, jegliche verbotenen Substanzen genommen zu haben. Später wurde bei ihr eine vererbte Blutanomalie festgestellt. Der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte die ISU-Entscheidung dennoch bestätigt.

Nun der Sieg vor dem Bundesverfassungsgericht. Das Urteil in Karlsruhe bezeichnet Linke-Politiker Gregor Gysi als „historischen Erfolg“. Nicht das Landgericht, nicht das Oberlandesgericht, sondern der internationale Sportgerichtshof Cas und der Bundesgerichtshof hätten sie in ihren verfassungsrechtlichen Grundrechten verletzt.

Pechstein winken Millionen an Schadensersatz

Gysi, selbst Jurist, jubelt: „Der internationale Sportgerichtshof, die Sportgerichtsbarkeit insgesamt müssen ihre Allmachtsgefühle aufgeben und sich künftig ebenfalls der Rechtsprechung unterwerfen.“ Der Bundestagsabgeordnete weiter: „Claudia Pechstein hat niemals gedopt und wurde durch eine Fehleinschätzung, die von wissenschaftlichen Gutachten widerlegt wurde, über lange Zeit ihrer sportlichen Möglichkeiten beraubt. Der Schaden ist viel größer, als er berechnet werden kann und muss.“

Ob und wie viele Millionen Pechstein nun an Schadensersatz zustehen, ist offen. Große kündigt aber an, dass die Berlinerin nun ihren Klage-Kampf fortsetzen werde: „Wir haben jetzt eine rechtsklare Situation. Der Kampf ist noch nicht vorbei. Wir werden den Weg bis zum Schluss weitergehen. Aber schon jetzt ist klar: Vom Team Pechstein hat die ISU keine Gnade zu erwarten.“

Lesen Sie hier mehr Sport-News >>