Thomas Müller übernahm bei seinem Comeback gleich wieder eine Führungsrolle in der deutschen Nationalmannschaft. Foto: AFP

Es läuft noch nicht für Jogi Löw und seine Jungs! Ein Sieg 13 Tage vor dem Start ins Turnier, bei dem Weltmeister Frankreich der erste Gegner ist, hätte dem DFB-Team Selbstvertrauen gegeben. So aber bleiben nach dem 1:1 (0:0) gegen Dänemark wieder einige Fragen. Vor allem steht fest: Vor seinem Abschiedsturnier hat Löw noch jede Menge zu tun.

Eine Szene, ein Pass, ein Schuss, ein verlorener Zweikampf machen manches kaputt. Was weit über eine Stunde gut aussieht, endet mal wieder in einer kleinen Enttäuschung. Lange steht nichts außer einem Sieg des DFB-Teams zur Diskussion, dann aber geben Jogis Jungs einen Vorsprung aus der Hand. Mal wieder, weil Yussuf Poulsen sich durchsetzt, Mats Hummels einen winzigen Moment zu spät kommt und der Leipziger das 1:1 reinknallt (71.).

Alle Augen auf Thomas Müller und Mats Hummels

Dass gerade Hummels nicht mehr retten kann, passt so gar nicht ins Bild der Rückkehr des Dortmunders und von Thomas Müller. Alle Augen nämlich sind auf die beiden Rio-Weltmeister gerichtet, die nach gut anderthalb Jahren ihr Comeback geben. In manchen Momenten sieht es aus, als wären sie kaum weggewesen. Müller, der sich im Angriff in einer Bayern-Dreierreihe mit Leroy Sané und Serge Gnabry heimisch fühlt, hat nach einer Flanke von Joshua Kimmich, auch er einer von sechs Münchnern in Jogi Löws Startelf, die erste dicke Gelegenheit. Nur bringt er hinter seinen Kopfball keinen Druck (14.). Besser hätte ein Comeback nicht ausfallen können.

Viel fehlt auch bei Hummels nicht, lediglich eine Fußspitze, die er bei einem Freistoß von Kimmich zu kurz ist. Noch verrückter hätte es kommen können, wäre ein hohes Zuspiel des Abwehrmannes auf Müller nur einen Tick präziser gekommen (41.). Nicht alles kann nach exakt 926 Tagen Abwesenheit aus dem Nationalteam gleich auf Anhieb wieder klappen.

Weil auch Gnabry mit feinem Linksschuss, der ans Lattenkreuz kracht, Pech hat (44.), ist die Führung unmittelbar nach der Pause verdient wie sonst etwas. Robin Gosens bringt die Kugel von links nach innen, etwas glücklich kommt sie zu Florian Neuhaus – der Gladbacher, der anfangs mit sattem Linksschuss in Dänen-Keeper Kasper Schmeichel seinen Meister gefunden hat (12.), schiebt mit rechts überlegt ein (48.).

Jogis Jungs geben den Ton an

Das 1:0 ist Ausdruck eines überlegenen Spiels, in dem Jogis Jungs gegen „Danish Dynamite“ deutlich den Ton angeben und durch Kimmich ein weiteres Mal Aluminium treffen (77.). Dabei fehlen im Team vor Manuel Neuer (der Kapitän bestreitet sein 99. Länderspiel) neben Toni Kroos (Covid-19-Pause), Leon Goretzka (Muskelfaserriss) und Emre Can (Adduktoren) mit Antonio Rüdiger, Kai Havertz und Timo Werner die drei Champions-League-Gewinner mit dem FC Chelsea und mit Ilkay Gündogan ein weiterer England-Legionär.

Insofern hat das vorletzte Testspiel vor der Euro (das letzte folgt Montag in Düsseldorf gegen Lettland) nur bedingt so etwas wie den Charakter einer Generalprobe. Wäre da nur nicht diese eine Szene und das 1:1 gewesen. Deshalb passt der verdaddelte Sieg niemandem so richtig ins Konzept, am allerwenigsten Löw kurz vor seinem Abschiedsturnier.