WM-Spitzenreiter Max Verstappen (l.) und Dr. Helmut Marko staunen über den neuen Mercedes-Motor. Foto: AFP/Robyn Beck

Wird Interlagos mal wieder zum Wendepunkt? Mit seinen zwei furiosen Aufholjagden entriss Lewis Hamilton (36) nicht nur WM-Rivale Max Verstappen (24) den schon sicher geglaubten Brasilien-Sieg und verkürzte seinen Rückstand auf nur noch 14 Punkte.

Drei Rennen vor Schluss wird der Brite plötzlich zum Favoriten gestempelt. Von keinem Geringeren als Red-Bull-Sportchef Dr. Helmut Marko (78). Der „Doktor Grumpy“ zittert vor Hamiltons Monster-Motor.

Es ist der nächste Akt im Dauer-Theater zwischen Mercedes und Red Bull. Nach erfolgreichem Protest und der Hamilton-Startplatzstrafe wegen eines um 0,2 mm zu breiten Heckflügel-Spalts unterstellt Dr. Marko Mercedes eine exklusive Booster-Spritze für den Boliden des Weltmeisters.

Red Bull rätselt über Mercedes

„So einen Motor haben wir in den letzten Jahren nicht gesehen von Mercedes. Unglaublich. Mercedes ist da ein Meisterwerk gelungen, so eine Rakete noch in dieser entscheidenden Phase herbeizuzaubern. Da sitzen wir momentan und rätseln“, sagt Dr. Marko anerkennend, enthüllt aber anhand der GPS-Daten: „Nur der Hamilton hat auf den Geraden so einen unglaublichen Überschuss. Alle anderen Mercedes-Autos bewegen sich im normalen Bereich.“

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Lewis Hamilton ließ Max Verstappen in Brasilien dank seines Monster-Motors in einem spektakulären Rennen keine Chance. 

Der Topspeed-Unterschied zwischen Verstappen und Hamilton lag im Rennen am Ende der Zielgeraden bei 15,2 km/h.
Marko schätzt den Leistungsvorteil auf 20 PS und befürchtet den Verlust des schon sicher geglaubten ersten Red-Bull-Titels seit 2013 (Sebastian Vettel): „Ich sehe uns trotz des Vorsprungs im Nachteil, wenn Hamilton diesen Motorenvorteil beibehält.“

Hintergrund: Mit Katar (Sonntag, 15 Uhr), Saudi-Arabien (5. Dezember) und dem Finale in Abu Dhabi (12. Dezember) kommen noch drei Strecken mit langen Geraden.

Der Monster-Motor in drei Punkten

Doch wie dopte Mercedes nur den Hamilton-Motor in der finalen WM-Phase, wo doch die Entwicklung weitestgehend eingefroren wurde?

Dr. Marko erklärt das PS-Wunder so: Erstens habe Hamilton durch den frischen fünften Motor zusätzliche Leistung gewonnen. Zweitens senke Mercedes seine Hinterachse weiterhin extrem auf den Geraden ab. Drittens unterstellt er, dass sich das obere Heckflügel-Element ab Tempo 260 nach unten verbiegt. Das öffne die Spalte zwischen Hauptblatt und Flap. Beides senkt den Luftwiderstand.

Einen Protest wollte Teamchef Christian Horner (48) aber noch nicht einreichen. Mercedes hätte auch keine Angst davor. Teamchef Toto Wolff (49): „Sie können unseren Flügel gerne in tausend Teile zerlegen. Sie werden nichts finden.“

Herzschlagfinale in Adu Dhabi?

Die gegenseitigen Schummel-Vorwürfe hören wohl nie auf. Das Gute an Hamiltons Husarenritt ist auf jeden Fall: Die WM ist wieder mega-spannend und die Fans erwartet ein Herzschlag-Duell. Gewinnt der Brite die nächsten beiden Rennen, Verstappen wird jeweils Zweiter und den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde fährt ein Dritter ein, dann kommen die Rivalen punktgleich zum WM-Finale nach Abu Dhabi.

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