Ferrari-Pilot Charles Leclerc und Teamchef Mattia Binotto blicken nach dem ersten Rennen optimistisch auf die neuen Formel-1-Saison. Foto: Imago

In der Wüste von Bahrain blühte Ferraris Hoffnung auf den ersten Formel-1-Titel seit 2007 wieder auf. Mit dem Doppelsieg von Charles Leclerc (24) und Carlos Sainz (27) untermauerte die Scuderia die guten Testeindrücke. Das Jubiläums-Auto F1-75 ist erstmals seit dem 2018er-Modell von Sebastian Vettel (34) ein titelfähiges Auto. „Wir werden um den Titel kämpfen, ganz sicher“, versprach Leclerc.

Der Vettel-Bezwinger zeigte bei seinem Drei-Runden-Duell mit Weltmeister Max Verstappen (24), mit dem er sich auch schon in Spielberg 2020 gefetzt hatte, dass er keine Angst vor dem aggressiven Holländer hat. „Ich bin ja auch ein aggressiver Fahrer in der Art, wie ich mit anderen kämpfe“, betonte Leclerc.

Für rote WM-Vorfreude ist es allerdings noch etwas zu früh. Erstens profitierte Ferrari von Red Bulls Doppel-Ausfall (der Honda-Motor wurde in den letzten Runden nicht mehr mit Benzin versorgt). Und zweitens startete die Scuderia auch in der Vettel-Ära schon mit Siegen in die Saison und schmierte dann in der zweiten Saisonhälfte ab.

Ferrari-Chef Binotto sieht noch mehr Potenzial

An beides erinnert auch Teamchef Mattia Binotto (52). „Wir sollten nicht vergessen, dass einer davon der Weltmeister war. Sie sind immer noch die Favoriten. Wir müssen mindestens vier oder fünf Rennen abwarten, um über WM-Tauglichkeit reden zu können“, sagte der Ingenieur. Stolz ist er auf seine Göttin schon: „Da steckt aber noch mehr Potenzial im Auto.“

Der KURIER erklärt die rote Auferstehung:

Charles Leclerc behauptete sich in seinem Ferrari gegen die Attacken von Weltmeister Max Verstappen im Red Bull. Foto: Imago

Der Badwannen-Bolide
Dank der Reform der Aerodynamik-Regeln begannen alle Konstrukteure mit einem weißen Blatt Papier und so entstanden verschiedenste Konzepte. Ferrari setzte beim F1-75 auf bauchige Seitenkästen in Form einer Badewanne, die stark unterschnitten sind und den Großteil der Luft dem hohlen Unterboden zuführen und da für den Ansaug-Effekt („Ground Effect“) sorgen. Das Gegenteil vollführte Mercedes mit dem W13, dessen extrem schlanke Seitenkästen die Luft übers das Auto leiten. Binotto: „Wir haben uns das Konzept auch angeschaut, aber für klassische Seitenkästen entschieden.“

Der Monster-Motor

Nach den in der Saison 2019 aufgeflogenen Schummeleien mit dem Benzindurchfluss und vom Weltverband FIA erzwungen Umbauten war Ferraris Motor zwei Jahre lang der schwächste im Feld. Darunter litten auch die Kundenteams wie Mick Schumachers (22) Haas-Rennstall. Deshalb ließ Binotto einen komplett neuen V6-Turbo bauen, der im Zusammenspiel mit den Elektrogeneratoren locker die 1000-PS-Marke knackte und Platzhirsch Mercedes übertrumpfte.

Deutscher Wunder-Sprit

Weil die Formel 1 aus Umweltschutzgründen einen zehnprozentigen E10-Anteil vorschrieb, mussten die Hersteller ihre Motoren umrüsten und verloren Leistung. Bis auf Ferrari, das von Shell neues Benzin geliefert bekam, das trotz E10 fast dasselbe Energielevel bereit stellt. Gebraut werden die Zutaten des neuen Wunder-Sprits in der Raffinerie in Köln-Godorf, veredelt im Labor in Hamburg.

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