Mick Schumacher inspiziert die Rennstrecke von Portimao in Portugal. Imago Images/Motorsport Images

Die Formel-1-Fans freuen sich vor dem dritten WM-Lauf in Portugal (Sonntag, 16 Uhr, Sky) auf das nächste Duell zwischen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton (36) und Red-Bull-Herausforderer Max Verstappen (23). Und für viele ist der „fliegende Holländer“ nach seinem Imola-Sieg sogar WM-Favorit. Sogar Ferrari-Rivale Charles Leclerc (23) sagt: „Red Bull ist gewachsen und scheint stärker als Mercedes zu sein. Max kann gewinnen, weil er ein großes Talent hat.“

Alle drei sind für Mick Schumacher (22) noch keine Gegner. Der Neuling weiß trotz seines Ehrgeizes, dass er sich im ersten Jahr im lahmen Haas-Ferrari gedulden muss.

„Ich genieße es nicht, wenn ich nicht Erster bin. Es eine Art Qual, hinten zu fahren – ohne echte Chance, vorne mitzuspielen“, sagt Mick. Deshalb setzt er sich eigene Ziel, fährt quasi sein eigenes Rennen: „Wenn ich zum Beispiel die Williams-Jungs Nicholas Latifi oder George Russell vor mir habe, stelle ich sie mir als Führende vor, und dass ich sie einholen muss.“

Mick erklärt seine Freude am Hinterherfahren: „Ein Formel-1-Auto ist schneller als alles andere. Man kann sich vorstellen, was für ein geiles Gefühl es ist, in so einem Auto zu sitzen.“

Das durfte er zur Portimao-Vorbereitung auch wieder in einem Ferrari erleben, beim 200-km-Test im SF71H in Fiorano. Auf die KURIER-Frage, was er im drei Jahre alten Auto geübt habe, verrät Mick, dass er an seinem Qualifying gearbeitet hat: „Es ist nicht mehr fremd für mich, in ein Formel-1-Auto einzusteigen. Es ist mein neues Zuhause. Deswegen kann ich es mir erlauben, ans Limit zu gehen. Zu versuchen, so schnell wie möglich auf der ultimativen Pace zu sein und zur schnellsten Rundenzeit zu finden.“

Mick nennt Beispiele von der Lenkradarbeit: „Wie bricht das Auto aus? Was passiert, wenn ich das Auto so stark abfange? Muss ich mehr Lenkradeinschlag geben? Das sind einfach Sachen, die ich jetzt kenne und weiß. Dementsprechend kann ich an das Limit rangehen.“

Diese Extra-Lernzeit als Ferrari-Academy-Fahrer stieß seinem Haas-Kollegen Nikita Mazepin (22) sauer auf. Der Russe ätzte über Micks „Privilegien“. Darauf angesprochen, wich der gewohnt diplomatisch aus: „Die Ferrari Driver Academy macht einen sehr guten Job, sie hat viele Fahrer in die Formel 1 gebracht. Sie macht viel richtig.“

Noch mehr richtig machen will auch er nach seinen Fehlern in Bahrain (Dreher) und Imola (Nässe-Unfall) nun in Portimao. „Ich habe mir vorgenommen, keine Fehler zu machen. Dann sind mir welche passiert. Jetzt arbeite ich daran, keine mehr zu machen. Wir sind Menschen, keine Maschinen“, sagt Mick.

Auf die Frage, ob es ihm unangenehm sei, als Sohn von Michael Schumacher (52) nicht überhart kritisiert zu werden, sagt Mick: „Ich habe nicht das Gefühl, dass ich mit Samthandschuhen angefasst werde. Ich werde aber auch nicht übermäßig kritisiert. Ich nehme jede Kritik an. Wenn mir Fehler passieren, dann lerne ich daraus.“