Max Verstappen freut sich über ein paar sehr hitzieg Rennen in den kommenden Wochen. Hilft seinem Red Bull.  Foto: Frank Augstein/Pool AP/dpa

Wie ein Mantra wiederholte man bei Mercedes diesen Gedanken. Er sollte der Niederlage einen Sinn geben. „Die Tage, an denen wir verlieren, sind die Tage, an denen wir lernen“, sagte Motorsportchef Toto Wolff, als die Siegesserie in Silverstone gerissen war. Das Problem: Viel Zeit zum Lernen bleibt Mercedes nicht.

Denn im fünften Rennen der Saison waren die Gegner plötzlich zu stark, sie hießen: Max Verstappen, Red Bull und brennende Sonne über dunklem Asphalt. Und schon am kommenden Sonntag (15.10 Uhr/RTL) dürfte genau dieses Trio die Silberpfeile erneut in Schwierigkeiten bringen. Es bleibt heiß! 

Auch in Barcelona werden 30 Grad erwartet, und seit Sonntag weiß man eines bei Mercedes ziemlich sicher: Der W11, dieses Auto ohne Schwächen, hat eine Schwäche. „Wenn es heiß ist, verlieren wir unseren Vorsprung“, sagt Wolff, „wir waren in Silverstone nicht konkurrenzfähig bei diesen Temperaturen.“

Mercedes fehlen die Antworten

Die Symptome erreichten in Silverstone ein neues Ausmaß, grundsätzlich bekannt waren sie aber zuvor schon. Bereits in den heißen Freitagssessions beim zweiten Saisonrennen in Österreich und beim ersten in Silverstone kam der Mercedes nicht auf Geschwindigkeit.

Das Problem war also grundsätzlich „nicht neu für uns“, sagt auch der leitende Mercedes-Ingenieur Andrew Shovlin: „Neu war, dass wir damit die größten Schwierigkeiten haben, während Red Bull offenbar die geringsten hat.“

Warum es ausgerechnet die Dominatoren der vergangenen Jahre besonders hart erwischt, müsse das Team schnellstmöglich verstehen, „damit wir nächsten Sonntag nicht schon wieder dumm aussehen“, sagt Shovlin - doch es ist schwierig: „Fürs Erste haben wir keine Antwort.“

Die WM ist für uns nicht vorbei

Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko

Und damit könnte das Thema den Branchenführer länger beschäftigen. Red Bull ist mit Ausnahmepilot Verstappen ohnehin näher herangerückt an Mercedes, nun kommt die Reifenproblematik dazu - und der Formel-1-Sommer hat ja gerade erst angefangen: Nach dem Barcelona-Rennen geht es noch im August nach Belgien, gleich im Anschluss wird zweimal in Italien gefahren, auch dort ist es im September häufig richtig sommerlich. Und die letzten Rennen der Saison sollen in Bahrain und Abu Dhabi steigen, wo die Temperaturen im November und Dezember stabil bleiben.

Noch hat Weltmeister Lewis Hamilton als Spitzenreiter des WM-Klassements 30 Punkte Vorsprung auf Verstappen, den ersten Verfolger. In den nächsten Wochen könnte der Abstand jedoch schmilzen, man ist nicht mehr ganz so selbstbewusst in der Mercedes-Garage. Und die Herausforderer wittern sowieso ihre Chance.

„Wir kommen näher an Mercedes heran“, sagt Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko: „Die WM ist für uns noch nicht vorbei.“