Lance Armstrong und Jan Ullrich fuhren jahrelang in der Rad-Weltspitze – bis beide des Dopings überführt wurden.
Lance Armstrong und Jan Ullrich fuhren jahrelang in der Rad-Weltspitze – bis beide des Dopings überführt wurden. dpa/Gero Breloer

Ein mickriger Vertrag, wenn er sauber bleibt, und ein fettes Gehalt, wenn er dopt. Was unfassbar klingt, war für Ex-Rad-Profi Christophe Bassons (48) an der Tagesordnung. Damals wie heute kämpft der Franzose gegen den Doping-Sumpf im Radsport. Dabei gibt Bassons bemerkenswert ehrliche Einblicke und nimmt kein Blatt vor den Mund.

Von einer sauberen Sportart kann weiterhin keine Rede sein. Bassons: „Noch immer leben alle in einer großen Lüge.“

Bassons betont im Interview mit der Süddeutschen Zeitung zwar, dass der Anti-Doping-Kampf viel effektiver geworden sei. Ein großes Problem sei aber weiterhin, dass viele Fahrer viel zu viele Medikamente schlucken würden. Bassons: „Heutzutage ist die medizinische Unterstützung wesentlich umfangreicher, so dass man fast auf dem gleichen Niveau wie Gedopte fahren kann. Aber diese medizinische Unterstützung macht mir fast noch mehr Angst als Doping.“

Bassons war zur Epo-Hochzeit Festina-Profi

Christophe Bassons fuhr für das Festina-Team, das in einen der größten Doping-Skandale verwickelt war.
Christophe Bassons fuhr für das Festina-Team, das in einen der größten Doping-Skandale verwickelt war. Imago

Deswegen fordert er mehr Transparenz, um die Sportart glaubwürdiger zu machen. Wenn man die Wahl habe „zwischen einer kleinen therapeutischen Dosis Epo oder 20 bis 30 Tabletten pro Tag, um eine Tour de France zu fahren, dann können Sie mal kurz nachdenken, was davon gefährlicher ist. Der Radsport würde enorm an Glaubwürdigkeit gewinnen, wenn die Fahrer sagen würden, was genau sie jeden Tag zu welcher Zeit ihrem Körper zuführen.“

Bassons war in der Hochzeit des Epo-Dopings von 1996 bis 2001 Profi und weigerte sich, verbotene Mittel zu nehmen. Der heutige Lehrer fuhr 1998 für das Team Festina, als dies einen der größten Doping-Skandale der Geschichte auslöste. Wegen seiner Haltung wurde Bassons im Peloton ausgegrenzt, sogar sein eigenes Team verfolgte ihn einst bei einem Fluchtversuch bei der Tour de France.

Irrer Radsport: Mehr Geld, wenn Fahrer dopen

Laut Bassons wurden ihm bei einer Vertragsverhandlung einst zwei Verträge vorgelegt. Ein Exemplar, wenn er sauber bleibt, und ein anderes, wenn er dopen würde. Bei Letzterem betrug sein Gehalt das Zehnfache.

Auch heute sei der Druck enorm, viele Profis würden unter der gewachsenen mentalen Herausforderung leiden. Bassons sehe heutige Profis kaum lächeln auf dem Rad: „Der psychologische Druck ist monströs.“

Lesen Sie hier mehr Sport-News >>