IOC-Präsident Thomas Bach sorgt für Irritationen, sprach mit der als verschollen geltenden Tennisspielerin Peng Shuai. AFP

Erst war es ein MeToo-Skandal im Fernen Osten, jetzt ist es ein Weltkonflikt geworden. Chinas Tennisspielerin Peng Shuai (35) hatte Anfang November öffentlich den Spitzenpolitiker Zhang Gaoli des sexuellen Übergriffs beschuldigt. Danach war sie verschwunden, einfach kaltgestellt – Hausarrest. Etliche Tennisstars protestierten, auch der Weltverband. Jetzt schaltet sich sogar US-Präsident Joe Biden ein.

Er zeigt sich „tief beunruhigt“ über das Schicksal von Peng Shuai. „Wir fordern die chinesischen Behörden auf, unabhängige und überprüfbare Beweise über ihren Aufenthaltsort und ihre Sicherheit zur Verfügung zu stellen“, erklärte Bidens Sprecherin Jen Psaki. Es ist längst ein Polit-Thriller geworden. Alles, was mit dem Fall zu tun hat, wird innerhalb Chinas vollständig verschwiegen und zensiert.

Videoclips von Chinas Staatsmedien

Chinas Staatsmedien antworteten an diesem Wochenende mit teilweise merkwürdig anmutenden Videoclips, die Shuai beim Abendessen und bei einem Tennis-Jugendturnier zeigen, gegen die weltweite und immer lauter werdende Empörung an. China steht unter Druck, schließlich sollen die Olympischen Winterspiele ab 4. Februar geräuschlos durchgeführt werden.

Der Chefredakteur der Staatszeitung „Global Times“ veröffentlichte diverse Videoclips, die belegen sollen, dass es der früheren Weltranglistenersten im Doppel gut gehe. Allerdings weisen die Videos diverse Merkwürdigkeiten beim Schnitt auf – und Peng Shuai ergreift nicht einmal selbst das Wort. Und erstaunlicherweise wurden die Videos bei Twitter veröffentlicht, das in China größtenteils der Zensur zum Opfer fällt.

WTA-Chef sorgt sich weiter um Peng

Entsprechend unbeeindruckt zeigte sich Steve Simon, Chef der internationalen Damentennis-Organisation WTA. „Dieses Video alleine ist nicht ausreichend. Während es positiv ist, sie zu sehen, bleibt es unklar, ob sie frei ist und ihre eigenen Entscheidungen treffen kann“, kommentierte Simon.

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IOC-Präsident Bach in der Kritik

Er hatte bereits zuvor gedroht, die WTA-Tour komplett aus China zurückzuziehen, sollte die Situation mit Peng Shuai nicht schnell und zufriedenstellend geklärt werden. Nach Serena Williams und Naomi Osaka meldete sich auch Roger Federer zu Wort. Der 40 Jahre alte Schweizer: „Diese Nachrichten sind schon sehr beunruhigend. Ich hoffe, sie ist sicher. Die Tennisfamilie steht zusammen.“

Pikant: 2022 (4. bis 20. Februar) finden die Olympischen Winterspiele in Peking statt. Und der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) setzt auch im Fall Peng Shuai mal wieder auf demonstrative Zusammenarbeit mit Chinas Führung. Bach habe eine halbe Stunde lang mit ihr per Videoschalte gesprochen, erklärte das IOC. Peng habe versichert, dass es ihr gut gehe, zur Zeit aber wolle sie nicht gestört werden.

Wann spricht Peng Shuai selbst?

Internationale Beobachter gehen davon aus, dass sich das IOC von Chinas Sicherheitsbehörden hat einspannen lassen. Eine Sprecherin der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch reagierte empört, sie nannte das Vorgehen des deutschen IOC-Chefs eine „völlig neue Form der Kollaboration“ mit Chinas Führung.

Bleibt zu hoffen, dass Peng Shuai sich bald selbst wieder zu Wort melden kann.

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