Diesen Ball kann Leipzigs Keeper Peter Gulacsi noch abwehren, bei zwei anderen ist er machtlos. Foto: AP

Endstation Puskas Arena. In Ungarns Hauptstadt, wo die Roten Bullen schon das Achtelfinal-Hinspiel gegen den FC Liverpool 0:2 verloren hatten, sagen die Leipziger für diese Saison Europas Königsklasse ganz leise und ohne die kleinste Aufregung tschüss. Gegen die in Englands Premier League arg schwächelnden Reds haben die Sachsen vom Wunder geträumt, mit einem erneuten 0:2 (0:0) sind sie jedoch meilenweit davon entfernt.

Vom Gefühl haben sie gezehrt und von der tollen Serie mit acht Siegen in ihren vergangenen neun Spielen. Dass die einzige Niederlage in dieser Zeit ausgerechnet die im Hinspiel gegen Englands Meister war – ein dummer Zufall und, so der Glaube, mit einem starken und beherzten Auftritt durchaus auszubügeln. Auch weil die Reds von ihren jüngsten acht Spielen sechs verloren hatten.

Nur macht dieses Match deutlich, dass Liga und Europa zwei ganz verschiedene Paar Schuhe sind. Nichts deutet bei den Engländern – auch wenn mit Trent Alexander-Arnold und Nathaniel Philipps nur zwei in der Startelf von Trainer Jürgen Klopp stehen – auf eine mögliche Verunsicherung hin. Sie kontrollieren das Spiel, selbst wenn die Bullen mehr Ballbesitz haben. Sie strahlen auch aufgrund ihres Zwei-Tore-Polsters Ruhe und Gelassenheit aus. Und sie starten gleich mehrfach kreuzgefährliche Angriffe. Es ist kaum zu glauben, dass bei den dicken Gelegenheiten allein von Diogo Jota (19., 41., 45.+1), der den verletzten Roberto Firmino ersetzt, zur Pause noch immer die Null steht. Auch dass Mohamed Salah, mutterseelenallein auf Peter Gulacsi zulaufend, am RB-Keeper scheitert (24.), passiert dem Ägypter eher selten.

Die Leipziger, deren Schlussmann mit prächtigen Paraden die Hoffnung aufs Weiterkommen lange am Leben hält, tun sich schwer, in die gefährliche Zone zu kommen. Allein Dani Olmo (10., Liverpool-Keeper Alisson macht sich lang) und Emil Forsberg (32., knapp vorbei) strahlen so etwas wie Torgefahr aus. Erst als RB-Coach Julian Nagelsmann alles auf eine Karte setzt und mit Alexander Sörloth zu Beginn der zweiten Halbzeit sowie für die letzten 30 Minuten mit Hee-Chan Hwang und Justin Kluivert gleich drei frische Angreifer bringt, wird’s ein klein wenig druckvoller. Schade, dass Sörloth mit seinem Kopfball nach Flanke von Hwang nur die Latte trifft (65.).

Nur ist auch das nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein, weil die Reds mit heißem Herzen und kühlem Kopf auf ihre Chance lauern. Bei einem Konter zeigt Salah all seine Klasse und versetzt den Leipzigern mit dem 1:0 das Ende (70.). Danach hat Sadio Mané freie Bahn und erlegt die Bullen mit dem 2:0 endgültig (74.). Vom Halbfinale, in das die Sachsen in der vorigen Saison gestürmt sind, können sie diesmal nicht einmal annähernd träumen.