Max Verstappen (l.) und Lewis Hamilton Rad an Rad in Saudi-Arabien, beide gehen punktgleich ins WM-Finale in Abu Dhabi. Imago/Motorsport Images

Die Formel 1 hat ihr erhofftes Herzschlagfinale. Max Verstappen (24) und Lewis Hamilton (36) kommen punktgleich (369,5) nach Abu Dhabi (Sonntag, 14.10 Uhr, Sky). Das gab es in der Königsklasse erst einmal: 1974 setzte sich in Watkins Glen (USA) Emerson Fittipaldi (74) im McLaren gegen Clay Regazzoni (†67) im Ferrari durch. Zum 30. Mal seit dem Formel-1-Start 1950 fällt die WM-Entscheidung im Finale.

Das droht nach dem Gift-und-Galle-Rennen in Saudi-Arabien mit Fouls, Strafen und Beschwerden das schmutzigste seit dem 1997 in Jerez zu werden. Dort fuhr Michael Schumacher (52) seinem Titelrivalen Jacques Villeneuve (50) ins Auto und verlor deshalb alle WM-Punkte. Die Zutaten für eine erneute Wüstenschlacht sind gegeben:

Extrapunkt wichtig wie nie

1. Die Ausgangslage: Trotz der Punktgleichheit führt Verstappen dank 9:8-Siegen die WM an. Hamilton muss den Red-Bull-Heißsporn also auf jeden Fall auf der Strecke schlagen, um mit seinem 8. WM-Titel Schumacher als alleiniger Rekordweltmeister zu entthronen. Wenn beide ausfallen, ist Verstappen erstmals Weltmeister. Es sei denn, Hamilton hat am Rennende den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde.

Die Pole wird viel entscheiden

2. Die Autos: Sie kämpfen mit gleichen Waffen. Hamilton glich die WM dank drei Siegen in Serie aus und ist mit seinem Mercedes-Raketenmotor (+20 PS) auch in Abu Dhabi Favorit. Doch trotz seines PS-Nachteils hätte Verstappen den Red-Bull-Honda in Jeddah auf der Pole-Position gestellt, wäre er nicht in der letzten Kurve zu übermütig geworden. Sollte ihm auf der umgebauten und kurvigeren Strecke in Abu Dhabi die Pole-Runde gelingen, hat er gute Chancen, eine Führung bis ins Ziel zu verteidigen. Auch mit einem taktischen Boxenstopp könnte er sich vor Hamilton setzen. Der Brite fürchtet eine Kollision: „Für ihn spielt es keine Rolle, wenn wir nicht ins Ziel kommen. Für mich schon.“

Giftpfeile fliegen hin und her

3. Die Nerven: Hamilton betont zwar seit Wochen seine WM-Erfahrung, doch in Jeddah zeigte er Nerven. Beim Re-Start ließ er sich von Verstappen auf der Innenseite düpieren und beim Brems-Test in die Falle locken. Dass „Mad Max“ im Rennen eine Fünf-Sekunden-Strafe und nachträglich noch eine Zehn-Sekunden-Strafe für den Brems-Test erhielt, änderte an dessen zweiten Platz nichts.

Hamilton schäumte: „Er ist mit Sicherheit über dem Limit. Ich habe schon zuvor so viele Kollisionen mit ihm vermieden.“ Verstappen konterte („Er hat sich verschätzt“) und reizte ihn weiter. Er verweigerte ihm den Handschlag, die Rosenwasser-Dusche („Es gab keinen Champagner, das war langweilig“) und das Siegerfoto. Zu Hamiltons Kritik sagte Verstappen nur: „Es ist mir egal, was die anderen sagen.“ Fazit: Diesem Burschen ist alles zuzutrauen.

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