Gleich knallt's: Lewis Hamilton (l.) und Max Verstappen Rad an Rad unmittelbar nach dem Start des Großbritannien-GP. Foto: AP/Jon Super

Rums! Peng! Bum! Die Formel 1 hat ihren ersten großen Knall zwischen den WM-Favoriten! Gleich nach dem Start schießt Titelverteidiger Lewis Hamilton den aktuellen Primus Max Verstappen ab, gewinnt anschließend den GP von Großbritannien, verkürzt seinen Rückstand - und sorgt für richtig, richtig Knatsch!

Als in Silverstone die roten Ampeln ausgehen, dauert es dauerte nicht mal einen Umlauf: Hamilton legt den etwas besseren Start hin und setzt Verstappen gleich unter Druck, mehrfach attackiert er den Rivalen hart und wird dabei getragen vom lauten Jubel seiner Fans unter den 140.000 Zuschauern an der Strecke. Hamilton hat es eilig, denn nur am Start oder über die Strategie sieht er eine Überhol-Chance, wie er vorher betont: „Im normalen Rennen ist der Red Bull zu schnell.“

Red-Bull-Boss attackiert Hamilton

Also nutzt er den Windschatten für einen weiteren Angriff vor der rasend schnellen Copse-Kurve, erobert die Innenbahn. Dann berührten sich die Räder, Verstappen kracht in die Reifenstapel.

Die Bergungsarbeiten dauern, mehr als eine halbe Stunde ist das Rennen unterbrochen. In dieser Zeit laufen die Drähte heiß. Mercedes-Sportchef Toto Wolff schickt Emails an die Rennleitung, sucht den Kontrollraum auf, um Hamilton zu verteidigen und sagt lapidar: „Wir sehen einfach zwei Fahrer, die mit dem Messer zwischen den Zähnen kämpfen.“ Die Red-Bull-Vertreter sehen das naturgemäß ganz anders und klagen an.

„Lewis ist dort in einer der schnellsten Kurven der Saison, er kennt diesen Kurs auswendig, er weiß, dass das dort nicht funktioniert“, wettert Teamchef Christian Horner: „Gott sei Dank haben wir keinen schwer verletzten Fahrer oder Schlimmeres zu beklagen.“ 

Leclerc im Ferrari bärenstark

Die Rennkommissare sehen zumindest die Unfallschuld ebenfalls beim Weltmeister, die fällige Zehn-Sekunden-Strafe wird kurz nach dem Restart bestätigt. Hamilton („Max ist aggressiv in solchen Situationen, ich war absolut neben ihm.“) liegt nun zudem hinter dem überraschend starken Charles Leclerc im Ferrari, der gleich nach dem Crash die Spitze erobert.

Gemeinsam bauen beide den Vorsprung aus, Hamilton kommt aber nicht am Monegassen vorbei und hat auch noch die Strafe abzuleisten. Entsprechend lange dauert der Boxenstopp, hinter Teamkollege Valtteri Bottas kommt er als Dritter wieder auf die Strecke. Ab da ist Hamilton der schnellste Mann im Feld, zwölf Runden vor Schluss kassiert er ohne große Gegenwehr Bottas. In der Schlussphase saugt sich auch an Leclerc ran und schnappt ihn sich drei Runde vor Schluss. Wow!

Verstappen im Krankenhaus

Damit zwar das Rennen vorbei, der Ärger aber noch lange nicht. Während Verstappen wegen Schwindelgefühlen in einem Krankenhaus durchgecheckt wird, fordert Red Bull sogar ein Sperre für Hamilton. Helmut Marko, Motorsport-Berater des Brause-Teams: „Wenn Hamilton mit seinem Vorderrad in der schnellsten Kurve Verstappens Hinterrad auf diese Weise touchiert, ist das kein Rennunfall mehr. Das ist fahrlässiges, gefährliches Verhalten, das ist rücksichtslos und gehört mit einer Sperre bestraft.“ Die Jury belässt es bei der Zehn-Sekunden-Strafe.

Hamilton ist das natürlich recht: „Es ist so ein stolzer Moment für mich. Ich habe mit dem Team alles versucht, das Auto wieder da hin zu bringen. Heute hat es gepasst.“ Sportchef Wolff funkt an seinen Star-Piloten: „Wir geben niemals auf, das Ding ist noch heiß.“

Das Ding ist die WM. Vorm Start des Rennens hatte Hamilton 33 Punkte Rückstand auf Verstappen, jetzt sind es noch acht ... 

Vettel und Mick enttäuschen

Ach ja, deutsche Fahrer sind auch dabei: Sebastian Vettel leistet sich früh einen Dreher, fällt weit zurück und muss am Ende sogar wegen technischer Probleme an seinem Aston Martin aufgeben. Nicht bedeutend besser läuft es für Mick Schumacher, der im unterlegenen Haas 18. und damit Letzter wird.