Deutschlands bester Eishockeyspieler, Leon Draisaitl, will im Trikot des deutschen Nationalteams 2022 seinen Olympiatraum leben. Foto: imgao-images/Peter Schatz

Die wahrscheinliche Olympia-Rückkehr löste bei vielen NHL-Superstars fast mehr Vorfreude aus als der angekündigte Saison-Wiederbeginn am 1. August. Nicht nur Deutschlands Weltklasse-Stürmer Leon Draisaitl war am Wochenende außer sich vor Freude, als das neue Tarifabkommen in der nordamerikanischen Eishockey-Liga feststand. Denn das beinhaltet für den derzeit als weltbesten Spieler gehandelten 24-Jährigen die Aussicht auf Erfüllung eines Lebenstraums: Seine erste Olympia-Teilnahme überhaupt.

"Bei den Olympischen Spielen für Deutschland zu spielen, wäre das Größte für mich", sagte der aktuell erfolgreichste NHL-Scorer von den Edmonton Oilers. Er kämpft vom 1. August an auch um den Stanley Cup, nachdem die NHL wegen der Corona-Pandemie monatelang pausieren musste. Die Aussicht auf Olympia 2022 in Peking und 2026 in Mailand und Cortina d'Ampezzo indes ist für Draisail noch einmal etwas ganz Besonderes. "Es ist der Traum eines jeden Sportlers, das einmal miterleben zu dürfen", sagte Draisaitl, der Deutschlands größten Eishockey-Triumph mit dem sensationellen Olympia-Silber 2018 in Pyeongchang wegen der Nichtteilnahme der NHL-Spieler verpasst hatte.

Es geht nur noch um Versicherungsfragen

Nun aber will die weltbeste Liga ihre Profis wieder an Winterspielen teilnehmen lassen. Das muss noch endgültig mit dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) und dem Weltverband IIHF ausgehandelt werden. Doch gilt dies nur als Formsache. "Nein, ich denke, da ist nichts, was diesen Deal noch gefährden würde", sagte IIHF-Präsident René Fasel. Auch das IOC dürfte kein Interesse daran haben, das Spektakel der Eishockey-Millionäre als größte Olympia-Attraktion zu blockieren.

Somit verkündete die NHL bereits gewohnt selbstbewusst: "Die NHL-Spieler kehren zu den Olympischen Winterspielen 2022 und 2026 zurück." Als "letzte Hürden" benannte der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), Franz Reindl, finanzielle Aspekte: "Jetzt geht es in den Gesprächen um dringliche Themen wie die Versicherungen, Anreise und Unterbringung", sagte Reindl, der als möglicher neuer IIHF-Präsident gilt.

Es wäre das beste Turnier seit Jahren

Bundestrainer Toni Söderholm

2018 hatten die mächtigen NHL-Teambesitzer eine Olympia-Teilnahme der weltbesten Spieler verhindert. Zu groß seien die finanziellen Einbußen durch die Olympia-Pause, zu uninteressant schien der südkoreanische Markt. Ein Fehler, wie sich im Nachhinein erwies. Der Imageverlust für die weltbeste Liga, erstmals seit den Winterspielen 1994 keine Spieler zu Olympia zu schicken, war immens.

Hinzu kam die Schmach für das Eishockey-Mutterland Kanada, das beim 3:4 im als "Jahrhundertspiel" gepriesenen Halbfinale von Pyeongchang vom DEB-Team über weiter Strecken vorgeführt wurde. Dass der neunfache Olympiasieger in Peking in Bestbesetzung aufs Eis gehen wird, gilt als Prestigesache. "Sportlich wäre es ganz klar das beste Turnier seit Jahren, Eishockey auf dem absolut höchstmöglichen Niveau. Es wäre einfach großartig für alle Beteiligten", sagte Bundestrainer Toni Söderholm, der die Chance erhält, die beste deutsche Auswahl der Historie zu coachen. In den vergangenen Jahren ist die deutsche Qualität in Nordamerika enorm gestiegen. Im besten Fall könnte Söderhölm 2022 drei komplette NHL-Blöcke aufbieten.