Robin Krasniqi (M.) diskutiert nach der Urteilsverkündung mit Promoter Ulf Steinforth (r), sieht sich nach dem WM-Kampf gegen Dominic Bösel als Sieger. Foto: dpa

Fehlurteile gehören zum Profiboxen wie der Ring. Meist nehmen die Boxer solche Urteile einfach hin. Mit dem Halbschwergewichtler Robin Krasniqi begehrt jetzt ein Profi auf.

Krasniqi lieferte sich im Oktober in Magdeburger ein Faustduell um den WM-Titel der IBO mit Dominic Bösel. Der Freyburger hatte den ersten Kampf gegen Krasniqi durch Knockout in der dritten Runde verloren. Diesmal ging es über die volle Rundenzahl und am Ende hob der Ringrichter den Arm Bösels zum Zeichen des Sieges.

„Das war knapp aber korrekt“, urteilte Bösels Trainer Georg Bramowski. Krasniqi dagegen zeigte sich tief enttäuscht und schimpfte schon im Ring. „Ich habe gewonnen.“ Später schob er nach: „Das ist ein klares Fehlurteil.“

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Krasniqi: Das ist ein klares Fehlurteil

Nun gehörten bis wenige Wochen vor dem Kampf beide Boxer über Jahre zum Magdeburger SES-Stall. Nur ein paar Wochen vor besagtem Fight endete Krasniqis Vertrag mit SES und wurde nicht erneuert. Der schlaue SES-Manager Ulf Steinforth ließ sich nach dem Kampf auf keine Diskussionen ein. Pressesprecher Christof Hawerkamp verkündet, dass sie die Sache mit Urteil nichts angeht. Nach Lesart der Magdeburger ist das eine Sache zwischen Krasniqi und dem Berufsboxverband.

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Dominic Bösel (l.) gewann gegen Robin Krasniqi im Oktober in Magdeburg knapp nach Punkten. Krasniqi legte daraufhin Protest ein. 

Verbands-Präsident Thomas Pütz hatte kurz vor dem WM-Duell das Kampfgericht ändern lassen und dabei Tochter Karoline Pütz mit an den Punktrichter-Tisch geschoben. Krasniqi legte Protest ein und ließ den Kampf voriges Wochenende auf einer öffentlichen Veranstaltung in Gerstenhofen unter Beisein von Rechtsanwalt Hundertmark und fünf internationalen Punktrichtern mit Hilfe eines Videos auf einem Groß-Bildschirm neubewerten. Alle fünf Kampfrichter werteten den Kampf zwischen 116:112 und 115:114 für Krasniqi.

Zu den Kampfrichtern zählte auch Ex-Sauerlandboxer Timo Hoffmann (47). Der Pollebener (Sachsen-Anhalt) hatte sich nach seiner Boxkarriere zum Punktrichter ausbilden lassen, um mehr Gerechtigkeit in die Boxszene zutragen. Der 2,02 Meter große Schwergewichtler war am 4. Dezember 2004 bei einem EM-Kampf in Berlin gegen Luan Krasniqi mit einem Unentschieden abgespeist worden, obwohl er den Titelträger nach allen Regeln der Boxkunst fürchterlich verprügelt hatte.

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Robin Krasniqi wähnte sich nach 12 Runden gegen  Dominic Bösel als Punktsieger und damit auch als Weltmeister. Doch die Punktrichter entschieden anders. 

Luan Krasniqi (nicht verwandt mir Robin) blieb dadurch Europameister, legte kurz danach den Titel nieder und kämpfte gegen Lemon Brewster um die WM nach Version der WBO und verlor.

Ex-Boxer Hoffmann: Jetzt trete ich für Gerechtigkeit ein

„Jetzt trete ich für Gerechtigkeit ein“, sagt Hoffmann und führt dann aus: „Ich bin sehr froh darüber, dass bei einer Fehlentscheidung endlich mal einer aufsteht und sagt, es war eine Fehlentscheidung und wir müssen die Sache korrigieren.“

Der BDB-Präsident war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Dafür sprach Krasniqis Rechtsanwalt Rene-Dirk Hundertmark im Juristendeutsch: „Die eindeutige Bewertung von fünf erfahrenen und qualifizierten Punktrichtern bestätigt Herrn Krasniqi in seiner Auffassung, das die vom BDB eV kurzfristige Neubesetzung des Kampfgerichts kausal für das Ergebnis zu Gunsten von Herrn Bösel war. Auf Grundlage dieser gesicherten Erkenntnis wird mein Mandant den BDB eV in Anspruch nehmen.“

Für das Rechtsverfahren soll ein Sponsor dem Boxer einer Million Euro zur Verfügung stellen. Man darf gespannt sein, wer am Grünen Tisch den K.o. Schlag landet ...

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