Yeah: Albas Trainer Aito Garcia Reneses bleibt cool. Imago Images/Tilo Wiedensohler

Er ist kein Rumpelstilzchen. Den Spielstand aus seinem Gesicht abzulesen, ist unmöglich. Ob sein Team in Rückstand oder in Führung liegt, Aíto García Reneses verzieht keine Miene. Mit seinen Assistenztrainern feixend sieht man ihn nur, wenn es besonders gut läuft, wenn Albas Trainer Spaß am Spiel hat. Am Mittwochabend hatte der Grandseigneur der Basketball-Bundesliga Spaß. Sein Team dominierte auch das zweite Halbfinale gegen Oldenburg.

Nun kann Alba Berlin den zweiten Titel des Jahres holen, trifft am Freitag (20.30 Uhr) und Sonntag (15 Uhr) in den zwei Endspielen des Turniers der deutschen Meisterschaft auf Ludwigsburg. In der Vorrunde putzen die Berliner die Schwaben weg. Dass Alba eine große Chance auf den ersten Meistertitel seit 2008 hat, liegt daran, dass Coach Aíto aus dem Kader das Maximum herausholt. Er entwickelt Spieler. Genau wie Otto Rehhagel einst bei Werder Bremen unterscheidet Reneses nicht nach jung und alt, sondern nach gut und schlecht. 

Der 73-jährige Spanier hat viele Talente nach vorne gebracht. Sein Coaching ist ruhig, sachlich. „Er hat die Eier, auch die Jungen spielen zu lassen und ihnen Chancen zu geben. Dazu ist er ein Basketball-Genie. Er sieht Dinge, die andere Trainer nicht sehen und redet jeden Tag mit dir, über jedes kleinste Detail“, sagte NBA-Spieler Kristaps Porzingis über seinen früheren Coach. Eine einzige Auszeit hat der in den Viertel- und Halbfinalspielen genommen – insgesamt. Während andere Trainer ihre Teams nach kleinsten Fehlern zum Gespräch bitten, will Reneses, dass seine Jungs ihr Spiel eigenmächtig umstellen, verbessern, Lösungen finden. Er vertraut ihnen, lässt Freiheiten. Auf und neben dem Feld.

Nach fünf verlorenen Finals mit Alba in den zwei letzten Spielzeiten gewann Reneses mit seinem Team im Februar den BBL-Pokal. Obwohl er betont, dass ihm Titel nicht so wichtig seien, wie die spielerische Weiterentwicklung – eine Meisterschaft würde seine Arbeit in Berlin aber krönen.