Lewis Hamilton kann auf der Rennstrecke jede Attacke ab, aber wenn es rassistisch wird,  ist auch für ihn jede Grenze überschritten. Foto: Imago/PanoramiC

Die Vorwürfe von Red Bull waren laut und deftig, aber sie drehten sich um das, was beim Großbritannien-GP auf der Rennstrecke passiert war: um den umstrittenen Crash zwischen Lewis Hamilton (36) und Max Verstappen (23)! Das gehört im knallharten Geschäft Formel 1 dazu. Im Gegensatz zu dem, was Hamilton hinterher widerfuhr.

Der Engländer, erster und einziger schwarzer Fahrer in der PS-Königsklasse, wurde rassistisch beleidigt. Formel 1, Weltverband Fia und Mercedes reagierten auf die ekligen Internet-Attacken geschlossen: „Wir verurteilen dieses Verhalten auf das Schärfste, diese Leute haben keinen Platz in unserem Sport.“

Harte Kritik von Red Bull 

Als Anlass genügte ein heftiger Rennunfall, für den die Jury Hamilton die Schuld gab und eine Zehn-Sekunden-Strafe verhängte. Red Bull war das zu wenig, der Arbeitgeber des Holländers sprach von „fahrlässig“, „rücksichtslos“, „gesundheitsgefährdend“ und forderte sogar ein Sperre. Teamchef Cristian Horner (47): „Es ist einfach nur enttäuschend, so eine verzweifelte Aktion hätte man von einem siebenmaligen Weltmeister nicht erwartet.“

Verstappen, der wegen Übelkeit und Schwindelgefühlen ärztlich durchgecheckt wurde, konnte am Abend die Klinik wieder verlassen und teilte mit: „Es geht mir gut. Sich die Feierlichkeiten anzusehen, während man noch im Krankenhaus ist, ist respektloses und unsportliches Verhalten.“

Mercedes steckt nicht zurück

Die Schärfe im Zoff ist kein Wunder. Nach sieben Jahren der Mercedes-Dominanz hat Red Bull endlich wieder Titelchancen, beide Top-Fahrer sind auf Augenhöhe. Durch den Renn-Ausgang schmolz Verstappens WM-Vorsprung von 33 auf acht Punkte zusammen. Silverstone dürfte den Ton setzen für die kommenden Wochen und Monate.

Zumal Mercedes nicht zurücksteckte. Hamilton knüpfte eine Erleichterung gleich mal an den Hinweis, dass Verstappen auch nicht mit der Friedenstaube auf dem Auto unterwegs sei: „Ich bin froh, dass es Max gutgeht. Er ist ein toller Fahrer und er ist einer der aggressivsten. Wir müssen zusammen die beste Balance auf der Strecke finden.“ Mercedes-Sportchef Toto Wolff (49) formulierte es so: „Man braucht immer zwei für einen Tango.“

Gemeinsam gegen Rassismus

So hart der sportliche Wettstreit auch ist, gegen die Hamilton-Bepöbler stehen alle zusammen. Auch Red Bull bezog klar Stellung: „Wir mögen erbitterte Rivalen auf der Strecke sein, aber wir stehen zusammen gegen Rassismus. Wir sind angewidert und traurig angesichts der Beleidigungen gegen Lewis. Für so etwas gibt es keine Entschuldigung.“