Ein leidenschaftlicher Vorkämpfer: Unions Christopher Trimmel. Foto: AP/Franklin

Der Kapitän geht vorneweg. Auf dem Platz, wo Christopher Trimmel mit konstant guten Leistungen, im Besonderen mit seinen gefährlichen Standardsituationen beim 1. FC Union seit Jahren eine unverzichtbare Größe ist. Aber auch neben dem Platz als Sprachrohr einer Mannschaft, die am Sonnabend in Köln (15.30 Uhr) einen großen Schritt Richtung Klassenerhalt machen will. Im Gespräch mit dem KURIER sagt der 33-jährige Österreicher: „Ich bin wirklich guter Dinge, dass wir den Klassenerhalt schaffen. Wir haben es vier Spieltage vor Schluss doch noch selbst in der Hand.“

Die Eisernen, so Trimmel, müssten nur an die Leistung aus der ersten Hälfte beim 1:1 gegen Schalke anknüpfen. Und auch zuvor sei bei den Spielen nach der Corona-Pause nicht alles schlecht gewesen. Von einem Spannungsabfall durch die ärgerliche Auszeit könne bei den Unionern jedenfalls nicht die Rede sein. Trimmel sagt: „Danach hatten wir mit dem Spiel gegen die Bayern, mit dem Derby und beim Spiel in Mönchengladbach Mannschaften als Gegner, bei denen wir selbst einen sehr guten Tag, die anderen hingegen einen weniger guten Tag haben müssen, damit wir da was holen. Es war also nicht wirklich ein Schnitt.“

Auch an die ungewöhnlichen Rahmenbedingungen hätten er und seine Kollegen sich inzwischen gewöhnt. Im Trainingsalltag, aber auch bei den Spielen ohne Stadionpublikum. „Die schwierigste Phase ist ja fast das Aufwärmen. Es ist mucksmäuschenstill. Und dann sich da aufzuladen, sich zu fokussieren, ist echt nicht einfach. Wenn der Schiedsrichter dann anpfeift, ist es etwas anderes. Dann ist man da, dann ist man im Spiel“, erklärt Trimmel. Und gesteht auch: „Aber es fehlt einfach was. Und das ist für mich schon sehr groß. Ich versuch, das professionell anzugehen, die gleiche Leistung zu bringen, aber es ist natürlich komplett etwas anderes.“

In den vergangenen Wochen war er selbst aber nicht nur als Vorkämpfer, sondern auch als Moderator zwischen der Mannschaft, dem Trainerteam und der Klubführung gefragt. Offen und ehrlich habe man da kommuniziert, über Ängste gesprochen und natürlich auch über die Frage, wie die Profis mit einem Gehaltsverzicht dem Verein und dessen Mitarbeitern helfen können.

Auch im Fall von Sebastian Polter, der dahingehend einen Alleingang anstrebte und deshalb vom Spieltagskader freigestellt wurde, war er natürlich involviert, sagt dazu jetzt Folgendes: „Es ist und bleibt ein sensibles Feld. Und ich bin da wirklich sehr vorsichtig. Ich hab da keinen einzigen Menschen verurteilt. Wichtig ist mir nur als Kapitän, wie sich die Spieler intern verhalten. Und da kann ich Sebastian überhaupt nichts vorwerfen. Er gibt sein Bestes und ist wie immer ein wichtiger Bestandteil von uns. Es wird im Fußball immer wieder Dinge geben, die zwischen Verein und Spieler aufkommen. Aber da soll man sich als Mitspieler nicht einmischen. Das sind Dinge, die passieren. Wenn das das Mannschaftsklima nicht stört, ist es kein Thema bei uns. Und das war es auch nie.“

Es ist Trimmel anzumerken, dass er sich auch mit den Themen abseits des Platzes leidenschaftlich auseinandersetzt. Er ist eben inzwischen ein Vollblut-Unioner, sagt deshalb auch: „Union liegt mir am Herzen.“ Deshalb will er sich gar nicht mehr verändern, will bleiben, bei Union, in Berlin, über seinen bis 2021 datierten Vertrag hinaus. „Ich brauch da auch nichts mehr Exotisches. Ich bin da, wo ich hinwollte: in der Bundesliga. Und das will ich noch weiter genießen. Ich möchte gemeinsam mit dem Verein das Ziel Klassenerhalt schaffen. Und im nächsten Jahr mich dieser geilen Herausforderung erneut stellen.“ Ein Punkt in Köln, drei Punkte gegen Paderborn am Dienstag – dann müsste für Union und Trimmel das Happy End perfekt sein.