Die 13-jährige Lilly Stoephasius qualifiziert sich für Olympia. Foto: dpa/Nietfeld

Avril Lavignes Superhit muss umgeschrieben werden. Der viel besungene „Sk8er Boi“ ist passe - jetzt kommt Lilly Stoephasius. Kein cooler Skater, sondern das Skateboard selbst hat das Leben der selbstbewussten 13-jährigen Berlinerin auf den Kopf gestellt. Die begnadete Park-Fahrerin ist die jüngste deutsche Olympia-Hoffnung in Tokio. Dort will sie der Welt ihr Ausnahmetalent präsentieren.

Lilly wird die jüngste deutsche Starterin in Tokio sein

„Es fühlt sich noch immer unwirklich an - aber ich habe mich für Olympia in Tokio qualifiziert“, schrieb die 13-jährige Stoephasius am Dienstag bei Instagram. Sie wird die jüngste deutsche Teilnehmerin in Japan sein.

Zuvor hatte sich Stoephasius bei einem Wettbewerb in Des Moines im US-Bundesstaat Iowa mit Rang 18 in der Disziplin Park weitere Ranglisten-Punkte gesichert und hat damit den Olympia-Startplatz sicher. Skateboarding ist mit den spektakulären Park-Wettbewerben und der zweiten Disziplin Street neu im olympischen Programm.

Im typischen Skater-Look mit Shirt, Jeans und Sneakern ist sie im Park schon wie ein alter Hase unterwegs. AP/Neibergall

Mit wehenden braunen Haaren unter ihrem Helm fliegt die Berlinerin spektakulär durch den sogenannten „Swimmingpool“. Im typischen Skater-Look mit Shirt, Jeans und Sneakern ist sie im Park schon wie ein alter Hase unterwegs. Mit so großem Erfolg, dass sie es selbst kaum fassen kann. Mit ihm veränderte sich auch ihr Leben. „Auf einmal fahren wir jedes Wochenende ins Ausland, um zu trainieren und auf Contests zu fahren“, sagt Stoephasius.

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Noch bevor sie richtig laufen konnte, stand die Vollblut-Skaterin auf einem Brett mit vier Rollen. Trainiert wird sie von Papa Oliver, die Familie reist mit zu den Wettkämpfen. Trotz des Aufwands „macht es mir voll viel Spaß“, versichert Lilly. Für ihre Wettkämpfe wird sie regelmäßig vom Unterricht befreit. Als ausgebildete Lehrer können Mama und Papa Stoephasius ihrer Tochter zudem tatkräftig unter die Arme greifen.

Bei Olympia in Tokio will sie nur Spaß haben

Durch die Skateboard-Premiere in Tokio kommt Stoephasius mit völlig neuen Abläufen wie Dopingkontrollen in Berührung. „Aber meine Eltern unterstützen mich, deswegen ist alles gut“, sagt die Schülerin. Sportlich geht sie das Großereignis vollkommen unbekümmert an. Wie für die meisten Skater ist Tokio für sie „einfach nur ein Contest, bei dem ich mitfahre, um Spaß zu haben“.

Die olympische Bewegung könnte aber auch dabei helfen, bestehende Ungleichheiten zu beseitigen. Die Förderung von Weltklasse-Athletinnen wie Stoephasius würde zu „einer Demokratisierung im Skatesport“ führen, sagt Hans-Jürgen Kuhn, Vorsitzender von Skateboard Deutschland (SKD). Die zusätzliche finanzielle Unterstützung würde vor allem „Frauen und jungen Mädchen wie Lilly“ zugute kommen.

Stoephasius stellt mit Blick auf die ungleichen Preisgelder und Sponsorenverträge ebenfalls Nachholbedarf fest, freut sich aber zugleich über die wachsende Szene: „Es sind neue Frauen dazugekommen, und das Niveau ist einfach so krass gestiegen. Ich glaube, das wird irgendwann zu einem Ausgleich führen.“ Ihr simpler Wunsch ist, dass es künftig „einfach fifty-fifty ist. Wir sind auf einem guten Weg dahin.“