Red-Bull-Pilot Max Verstappen griff direkt nach dem Start an und drängte Mercedes-Fahrer Lewis Hamilton von der Strecke. Imago, dpa

Was für ein Wahnsinns-Finale, was für ein Jubel bei Max Verstappen (24). Der Red-Bull-Heißsporn überholte Lewis Hamilton (36) in der letzten Runde der Saison und krönte sich zum ersten niederländischen Formel-1-Weltmeister. Damit vermasselte der „fliegende Holländer“ Hamilton den schon sicher geglaubten achten WM-Titel und rettete den Rekord von Michael Schumacher (52).

Verstappen im siebten Himmel. Vor den Augen von Vater Jos (49) und Freundin Kelly Piquet (33) jubelte er auf dem Podium: „Es ist unglaublich. Mein Ziel, als ich ein kleiner Bub war, Formel-1-Faher zu werden. Und jetzt stehst du hier und jemand sagt dir: Du bist Weltmeister. Auch für meinen Vater ist das ein besonderes Geschenk. Es war eine lange Reise zusammen und dann in der letzten Runde Weltmeister zu werden, ist fantastisch.“

Mercedes-Proteste abgewiesen

Hamilton zeigte sich als fairer Verlierer. „Erstmal Glückwunsch an Max, er hat den Titel verdient. Aber wir haben alles gegeben, speziell im zweiten Teil der Saison und nie aufgegeben“, sagte der Brite. Aber er kündigte Verstappen schon die Rache an: „Ich fühle mich gut und werde im nächsten Jahr wieder stark zurückkommen.“

Mercedes-Teamchef Toto Wolff (49) wollte sich mit der Niederlage aber nicht abfinden und legte wegen angeblicher Regelverstöße Protest ein. Es ging darum, dass kein Fahrer ein anderes Auto überholen darf, solange das Safety Car das Feld anführt. Das hatte Verstappen gegen Rennende kurzzeitig getan. Und überrundete Autos hätten Hamilton nicht überholen und Verstappen so den Weg für seine finale Attacke frei machen dürfen. Doch die Stewards wiesen beide Proteste ab.

Verstappen riskiert Crash mit Hamilton

Eine gute Entscheidung, denn das Rennen war schon Drama pur. Verstappen verpatzte den Start, Hamilton zog vorbei. Mit Wut im Bauch stach „Mad Max“ vor der Schikane innen rein und drückte den Briten von der Strecke. Der kürzte ab und fuhr vor Verstappen wieder auf die Strecke. Unbestraft durch FIA-Rennleiter Michael Masi (42)! „Wir sind geschockt“, funkte ihn Red-Bull-Teamchef Christian Horner (48) an. „Max ist auf der Strecke geblieben, Lewis ist über die weiße Linie raus.“

Dann begannen die Taktik-Spielchen. Verstappen fuhr in der 14. Runde in die Box, um die weichen Reifen loszuwerden. Mercedes holte Hamilton auch rein. Doch dadurch fiel der Brite hinter Verstappen-Helfer Sergio Perez (31) zurück. Der Mexikaner bremste ihn mit grandiosen Verteidigungsmanövern um über sechs Sekunden ein – und trieb ihn in Verstappens Fänge.

Entscheidender Reifenwechsel

Zunächst vergebens. Hamiltons Mercedes war wie schon bei seinen jüngsten drei Siegen in Serie zu schnell für den Red Bull und zog wieder weg. Doch er wurde durch den Ausfall von Antonio Giovinazzi (27) und das Virtuelle Safety-Car wieder eingebremst. Red Bull schickte Verstappen noch mal mit frischen Reifen auf die finale Aufholjagd.

17 Sekunden in 20 Runden musste er gutmachen. Hamilton machte sich wegen seiner älteren Reifen Sorgen. Doch Mercedes ließ ihn draußen, und sein Auto war auch auf alten Reifen schneller als der Red Bull.

Restart rettet Verstappen und Red Bull

Fünf Runden vor Rennende dann der Glücksmoment für Verstappen: Nicholas Latifi (26, Williams) krachte im Duell mit Mick Schumacher (22, Haas) in die Bande und löste noch einmal eine Safety-Car-Phase aus. Verstappen holte sich noch mal frische Pirellis – und Hamilton ahnte, was kommt: „Jetzt ist er hinter mir mit frischen Reifen.“

Ende wird für Diskussionen sorgen

Dann gab es Irritationen, ob Verstappen nach dem Re-Start noch die überrundeten Autos überholen müsse. Dann hätte er keine Chance mehr gehabt. Doch Masi winkte sie an Hamilton vorbei und Verstappen hatte freie Fahrt zum ersten Titel.

Imago
Direkt nach dem Start ging es in Abu Dhabi brutal eng zu. Lewis Hamilton überholte Max Verstappen und musste sich erst in der letzten Runde geschlagen geben.

Dritter wurde der spanische Ferrari-Pilot Carlos Sainz. Sebastian Vettel (Aston Martin) kam nicht über Rang elf hinaus, Mick Schumacher erreichte im Haas als 14. das Ziel.

dpa
Das erste Foto als Formel-1-Weltmeister: Max Verstappen kann sein Glück kaum fassen. 

Doch erst mal wurde im Red-Bull-Lager gefeiert. „Wir haben jahrelang gelitten wie die Hunde, und jetzt sind wir mit Max Weltmeister – und haben auch noch den Schumacher-Rekord bewahrt“, sagte Sportchef Dr. Helmut Marko (78) und kündigte an: „Früh ins Bett gehen wird sicher niemand.“

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