Novak Djokovic trainiert inzwischen in Australien. Glücklich ist darüber im Land kaum jemand. Imago/Belga

Einst war Novak Djokovic in Australien ein Held. Neunmal gewann der in Monaco lebende Serbe die Australian Open – und vor allem in seinen jungen Jahren um seinen ersten Triumph im Jahr 2008 überzeugte der heute 34-Jährige auch mit seiner Lockerheit und seinen Spieler-Imitationen, was perfekt zum Happy-Slam in Down Under zu passen schien. Doch dann kam die Corona-Pandemie, die in Australien konsequent bekämpft wurde und die Novak Djokovic immer wieder nicht ernst nahm. Im australischen TV machten sich nun zwei Moderatoren Luft, doch dass sie dabei gehört werden konnten wussten sie nicht.

Novak Djokovic zeigte früh seine kritische Haltung gegenüber Corona

Ein kleiner Rückblick: Schon zu Beginn der Corona-Pandemie wurde klar, dass Novak Djokovics Nähe zur Esoterik sich nicht nur auf meditative Trainingsmethoden mit Umarmungen beschränkt, sondern in ihm auch eine gewisse Skepsis gegenüber der modernen Medizin auslöste. Immer wieder zeigte sich, dass der Weltklasse-Tennisspieler offenbar in einer anderen Welt lebt. So organisierte er während der ersten Corona-Welle mit dem Adria-Cup ein echtes Superspreader-Turnier, dann verweigerte er die Impfung.

Um nach Australien einzureisen, muss man aber geimpft sein, so wie rund 78 Prozent der Bevölkerung des Landes. Doch offenbar dachte Novak Djokovic, dass diese Regel nicht für ihn gilt und versuchte mit einer Ausnahmeregelung einzureisen. Doch am Flughafen war das Visum, entzogen und der Tennis-Star kam in ein Abschiebehotel. Inzwischen durfte er nach Australien einreisen, denn vor Gericht hat er sein Visum wiederbekommen.

Novak Djokovic: Was ist nun mit der Einreise nach Australien?

Allerdings hat der Richter dabei nicht darüber entschieden, ob Djokovics Ausnahmeregelung gültig ist, sondern nur darüber, dass Djokovic das Visum eine halbe Stunde zu früh entzogen wurde – und dass das damit unrechtmäßig gewesen ist. Eine Ausweisung des Serben, ist also weiter möglich. Doch der hat derweil schon ein weiteres Ass aus dem Ärmel gezogen. Er habe im Dezember eine Corona-Infektion durchgemacht und brauche daher keine Impfung. Das Problem an dieser Geschichte. Am 16. Dezember, dem Tag von dem der angeblich positive Test stammt, traf Djokovic nachweislich andere Menschen und postete Fotos davon auf Twitter.

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Novak Djokovic 2008 bei seinem ersten French Open-Sieg. Imago/ZUMA-Wire

Um doch an den Australian Open teilzunehmen packt der Weltranglisten-Erste eine unglaubwürdige Geschichte nach der anderen aus. Besonders in Australien – und im Austragungsort Melbourne – kommt das nicht gut an. Denn die Stadt war weltweit gesehen am längsten im Lockdown, die Menschen haben viel zurückgesteckt, nur damit jetzt ein serbischer Corona-Leugner eine Sondergenehmigung bekommt? Verstehen kann das so gut wie niemand.

Auch nicht die australischen TV-Moderatoren Mike Amor und Rebecca Maddern. Vor einer Sendung, in der es um Novak Djokovic und dessen Einreise nach Australien gehen sollte, plauderten sie über den Tennis-Profi. Was sie nicht wussten: Die Kameras waren schon an und sendeten auch bereits. Und so bekamen die Zuschauer Rebecca Maddern zu sehen, wie sie Djokovic als „lügendes, heimtückisches A****loch“ bezeichnete. 

Novak Djokovic: Australische TV-Moderatoren zweifeln an seiner Geschichte

Kollege Amor wütete zudem: „Ich denke nicht, dass er eine verdammte Erkrankung hatte. Er hatte einen Scheißdreck. Es war eine beschissene Ausrede und jetzt fällt er über seine eigenen verdammten Lügen. Das ist, was passiert, oder?“

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Die feine Art ist das sicher nicht, doch es spiegelt die Stimmung in weiten Teilen Australiens wider. Denn es ist vielleicht seine ganz persönliche, wenn auch höchst unsolidarische Entscheidung sich nicht impfen zu lassen, aber eine andere dennoch durch die Welt zu jetten und überall Sonderrechte einzufordern Zumindest behaupten sie das. Das beobachten inzwischen auch seine Sponsoren, behaupten sie zumindest. So teilte die Raiffeisen Bank dem Portal Watson mit: „Wir beobachten die aktuelle Situation als Sponsor von Novak Djokovic kritisch.“

Novak Djokovic und die Beziehung zu serbischen Nationalisten

Im Netz vervollständigt sich derweil ein Bild von Novak Djokovic, dass so gar nicht zu dem jungen, lustigen Tennisspieler passen will, der 2008 das erste mal die Australian Open gewann. Während sein Vater sich nicht scheut, seinen Sohn mit Jesus zu vergleichen, verbreiten sich Fakten über Djokovic, die bislang aufgrund seines sportlichen Erfolgs keine Aufmerksamkeit bekamen. 

So traf Novak Djokovic in der Vergangenheit mehrfach Vertraute des serbischen Ultranationalisten und verurteilten Kriegsverbrechers Ratko Mladic. Dabei war auch Milan Jolovic, ein früherer Kommandant der sogenannten Drina-Wölfe, eine berüchtigte paramilitärische Einheit, die unter anderem am Völkermord an Bosniaken in Srebrenica beteiligt war.

Novak Djokovic in einer Reihe mit Kriegsverbrechern

Zudem ließ Djokovic sich auch mit dem bosnisch-serbischen Nationalisten Milorad Dodik fotografieren, der aktuell mit serbischen Separatisten einen Bürgerkrieg in Bosnien-Herzogowina forciert. Von dem erhielt Djokovic sogar eine Auszeichnung und reiht sich damit in die Reihe der Kriegsverbrecher Mladic, Slobodan Milosevic Radovan Karadzic ein. Oder Djokovic warb stolz für eine Spirituosenmarke, die nach dem Nazi-Kollaborateur Draza Mihailovic benannt ist. 

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Nationalismus, Esoterik und das Leugnen der Gefahren der Corona-Pandemie sind nicht nur auf den hiesigen Querdenker-Demos sehr nah beieinander, sondern ganz offenbar auch bei Novak Djokovic.