Wertvolles Geschenk: Lewis Hamilton erhielt von Mick Schumacher den Helm seines Vaters. AP

Jetzt steht Lewis Hamilton (35) auf einer Stufe mit dem Größten. Der Mercedes-Superstar gewann den ersten Großen Preis der Eifel in Michael Schumachers (51)  „Wohnzimmer“ Nürburgring und holte mit seinem 91. Grand-Prix-Sieg den Rekordhalter ein. Nach der Zieldurchfahrt jubelte Hamilton: „Wow, was für ein Gefühl. Danke Jungs.“

Und dann im Parc Fermé der große Moment: Schumi-Sohn Mick (21) überreichte Hamilton einen roten Helm seines Vaters und beglückwünschte ihn. Hamilton war sichtlich gerührt und sagte: „Mir fehlen die Worte. Wenn man aufwächst und jemanden zuschaut und sieht dessen Qualität als Fahrer bei verschiedenen Teams. Ich habe Michael Schumacher im Computerspiel gespielt. Man konnte sich nicht vorstellen, dass überhaupt mal einer seine Rekorde bricht, und dann bin ich es. Das hätte ich niemals gedacht. Aber mein Riesen-Respekt gilt Michael.“

Das wusste Mick zu schätzen. Der kommende Formel-1-Fahrer (2021 im Alfa Romeo) hatte ja bereits angekündigt: „Lewis hat gerade einen guten Lauf. Und mein Vater hat immer gesagt: Rekorde sind dazu da, gebrochen zu werden. Aber mein nächstes Ziel wäre es, den Rekord zurückzuholen.“

Doch vorher wird Hamilton weiter Geschichte schreiben. Weil sein von der Pole-Position gestarteter Mercedes-Helfer Valtteri Bottas (31) in der 19. Runde mit einem Elektro-Defekt ausfiel, dürfte der Brite schon vor Saisonende auch mit seinem siebten WM-Titel mit Schumi gleichziehen. Bottas, der seine Führung am Start stark gegen den drängelnden Hamilton verteidigt hatte, war sauer über den Defekt: „Das war sehr unglücklich. Ich habe plötzlich Power verloren und musste den Wagen abstellen.“

In den Rekord-Jubel mischen sich allerdings Misstöne um Hamiltons Vertragspoker. Zwar betont Teamchef Toto Wolff (48): „Scheitern wird's nicht mehr. Wir wollen Lewis im Auto, und er will im Mercedes sitzen.“ Laut ihm gebe es keine großen Unstimmigkeiten, man sei aber in der Corona-Pandemie nur sporadisch an den Verhandlungstisch gekommen. Doch die „Daily Mail“ meint, Hamilton habe sich mit einer horrenden Forderung (Dreijahresvertrag mit 44 Millionen Euro Jahresgehalt) verzockt. Dies sei Wolff bzw. dem wegen Diesel-Skandal und Corona-Krise zum Sparen verdonnerten Daimler-Konzern zu viel. Und mit Verstappen, dessen Red-Bull-Vertrag 2021 ausläuft, sei  ein kommender Weltmeister viel günstiger zu haben.

Zum erhofften Ring-Kampf zwischen Hamilton und Verstappen kam es nicht, der „fliegende Holländer“ wurde Zweiter vor Daniel Ricciardo (31, Renault). Doch in der letzten Runde klaute „Mad Max“ Hamilton noch den Extrapunkt für die schnellste Rennrunde.

Davon meilenweit entfernt war wieder mal Sebastian Vettel (33). Der Ferrari-Fehlerteufel strandete nach einem erneuten Dreher beim Angriff auf Alfa-Italiener Antonio Giovinazzi (26) und überholt von Ferrari-Feind Charles Leclerc (22) und Blitz-Comebacker Nico Hülkenberg (33) auf Rang elf. Während Vettel einmal mehr mit seiner Roten Gurke haderte, genoss Hülkenberg das Rennen in seinem „Pink Panther“. Der Emmericher raste „aus kalter Hose“ vom 20. Startplatz auf acht vor und war happy: „Ich habe es ganz gut gemanagt und bin stolz und glücklich darüber.“