Dortmunds Stürmer Erling Haaland (l.)  macht das Tor zum 1:0 gegen den FC Sevilla. Foto: Imago

Dortmund hat es geschafft! Der BVB stürmt ins Viertelfinale der Champions League. Obwohl: Von Stürmen ist anfangs nicht viel zu sehen. Aber dann! Trotzdem: Ein wenig mogelt sich der BVB unter die acht besten Teams in Europas Königsklasse, weil er im richtigen Moment die Tore erzielt, kassiert auf dem Weg dorthin 10,5 Millionen Euro und ist nach dem 2:2 (1:0) gegen den FC Sevilla dank Erling Haaland bereit für neue Husarenritte. Sein Doppelpack bringt Dortmund unter die besten Acht.

Es sind die für den BVB verrücktesten sechs Minuten dieses Spieljahres in Europa. Obwohl die Andalusier von Anfang an auf die Tempo-Tube drücken, sind die Dortmunder dank ihres einzigen vernünftigen Vorpausen-Angriffs durch Haaland mit dem 1:0 (35.) auf dem Weg ins Glück und jubeln sofort nach Wiederbeginn über das 2:0 erneut durch den Norweger (48.). Aber: Weil der italienische Video-Assistent Massimiliano Irrati dem türkischen Schiri Cüneyt Cakir einen Wink gibt, wird es ziemlich konfus.

Erst glauben alle, Haaland habe bei seinem zweiten Treffer ein Foul begangen. Schade. Dabei geht es um eine Szene Sekunden zuvor, weil Sevilla-Abwehrmann Jules Koundé Borussias Knipser am Trikot hält. Deshalb: kein Tor, dafür Elfmeter! Nicht Marco Reus, der Haaland das 1:0 aufgelegt hatte, krallt sich die Kugel, sondern der Torjäger selbst. Aber er macht es nicht besser als der Kapitän jüngst in der Bundesliga: Sevilla-Keeper Bono lenkt die Kugel an den rechten Pfosten und auch zwei Nachschüsse verpuffen (52.).

Schon ist der Ball in der BVB-Hälfte, da pfeift der Schiri erneut zurück. Wieder hat er ein Signal seines Video-Helfers erhalten. Der Grund: Bono hat sich beim Elfer zu früh bewegt. Zweite Chance für Haaland vom Punkt. Viel cooler ist er auch diesmal nicht, verzögert erneut, trotzdem liegt der Keeper wieder im richtigen Eck, mit ganz viel Dusel aber rutscht die Kugel doch rein – das 2:0 mit einem Anlauf von sechs Minuten (54.).

Haaland, immer wieder Haaland. Dieser Typ, anfangs wegen der deutlichen Überlegenheit der Spanier ohne jegliche Wirkung, ist ein Phänomen. Es sind seine Tore neun und zehn in dieser Königsklassen-Saison und seine Treffer 19 und 20 in seinem 14. Match in der Champions League. Einfach unfassbar und für den BVB eigentlich unbezahlbar.

Das ist es aber noch nicht. Weil Emre Can völlig unnötig Sevilla-Joker Luuk de Jong schubst, liegt der Ball wieder auf dem Punkt, nur diesmal vor dem von Marwin Hitz. Mit ganz viel Schmackes hämmert Youssef En-Nesyri das 2:1 rein (68.) und macht es wieder ein wenig aufregender. Es bleibt heiß bis zuletzt, auch weil Mahmoud Dahoud einen Riesen liegenlässt (84.) und En-Nesyri das 2:2 köpft (90.+5). Nach sieben Minuten (!) Nachspielzeit ist der Jubel trotzdem schwarz und gelb.