Der Korken hat ihn im Gesicht erwischt, die Schampus-Fontäne geht senkrecht hoch und Biniam Girmay hält sich das linke Auge. AP/Massimo Paolone

Nach dem Jubel kam der Schmerz ... 10. Etappe des Giro d’Italia, 196 Kilometer über welliges Terrain von Pescara nach Jesi. Im Zielsprint setzte sich Biniam Girmay (22/Eritrea) gegen Hollands Auftaktsieger Mathieu van der Poel durch, gewann als erster schwarzer Afrikaner eine Grand-Tour-Etappe und trug sich so für die Ewigkeit in die Geschichtsbücher des Radsports ein.

Kaum über dem Zielstrich freute sich der Profi vom belgischen Team Intermarché-Wanty-Goberte: „Wir haben das Rennen kontrolliert. Ich muss mich bei meiner Mannschaft bedanken. Ich habe keine Worte dafür, was meine Teamkollegen geleistet haben. Alle haben einen tollen Job gemacht. Ich bin so glücklich.“

Nach der Freude kommt das Leid

Biniam Girmay jubelt im Ziel der 10. Etappe des Giro d’Italia in Jesi über seinen Sieg. AFP/Luca Bettini

Doch dann kam für den Glückspilz die Siegerehrung und das Unheil nahem seinen Lauf. Beim Öffnen der Magnum-Champagner-Flasche knallte ihm der Korken ins Gesicht. Girmay feierte zwar tapfer weiter, versprühte den Schampus in hohem Bogen. Aber er rieb sich auch immer wieder das linke Auge.

Dem Weg aufs Podium folgte der Gang zum Arzt. Erst wurde er von seinem Team-Doc untersucht, der entschied dann, Girmay ins Krankenhaus zu bringen. Dann die bittere Gewissheit: Er muss das Rennen aufgeben, obwohl keine grobe Verletzung diagnostiziert wurde. Girmay: „Ich muss mein Auge schonen.“

Kein Anfänger beim Siegesjubel

Dabei ist der Mann längst kein Anfänger mehr in Sachen Jubel: Erst vor rund eineinhalb Monaten hatte Girmay, der auch U23-Vizeweltmeister ist, den belgischen Klassiker Gent-Wevelgem gewonnen.

Um die historische Größe seines Sieges besser einordnen zu können, hilft dieser Fakt: Unter den rund 550 Profis in den 18 World-Tour-Teams finden sich zwar gerade einmal acht Afrikaner, vier davon weiße Südafrikaner, zudem drei Eritreer und ein Äthiopier.

Biniam Girmay macht seinen Traum wahr

„Ein Etappensieg würde meinem Land, dem afrikanischen Kontinent und dem Radsport im Allgemeinen viel bedeuten. Ich habe den Giro schon als Kind im Fernsehen gesehen und bin dann mit dem Traum losgefahren, eines Tages dabei zu sein“, hatte Girmay im Vorfeld erklärt. Er hat seinem Traum noch einen draufgesetzt und wird auch das anschließende Missgeschick trotz des frühen Abschieds vom diesjährigen Giro bestimmt verschmerzen ...

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