Das menschenleere Dortmunder Westfalenstadion. Ein Bild, an das wir uns erstmal gewöhnen müssen... imago-images

Die Tagung der Deutschen Fußball-Liga sollte Licht ins Dunkel bringen. Stattdessen zeichnet DFL-Boss Christian Seifert (50) ein düsteres Bild. Wie geht es weiter in Zeiten der Corona-Krise? Was passiert mit einer abgebrochenen Saison? Droht Klubs nun die Insolvenz? Alles unklar. Sicher ist nur: Die gesamte Bundesliga kämpft ums Überleben.

„In der schwierigsten Phase unseres Berufslebens ist das Virus der größte Feind und die Unsicherheit der zweitgrößte“, erklärte Seifert gleich zu Beginn der Tagung. Klar ist: Bis auf weiteres ruht der Spielbetrieb. Die Vertreter der 36 Profi-Klubs folgten wie erwartet einstimmig der Empfehlung des DFL-Präsidiums, dass bis zum 2. April der Spielbetrieb ausgesetzt wird.

In Zeiten, in denen sich die Welt im Ausnahmezustand befindet, „müsse auch die Liga abwarten, was passiert“. Deswegen werde sich die DFL in der letzten Märzwoche erneut beraten. Seifert: „Die Eindämmung des Coronavirus’ hat Vorrang vor allem.“

Sollte die Pandemie es zulassen, dass der Spielbetrieb tatsächlich wieder aufgenommen werden kann: Fans werden in dieser Saison trotzdem nicht mehr ins Stadion pilgern. „Geisterspiele werden die einzige Überlebenschance sein“, sagte Seifert. „Wenn das jemand anders sieht, muss er sich keine Gedanken mehr machen, ob wir mit 18 oder 20 Profi-Klubs spielen. Denn dann wird es keine 20 Klubs mehr geben.“

Was macht die Uefa?

Vieles hängt auch von der Uefa ab, die heute per Videokonferenz über eine Verlegung der EM tagt, die ursprünglich vom 12. Juni bis 12. Juli in zwölf Ländern stattfinden sollte. „Jedem ist bewusst, dass dieses Turnier so nicht stattfinden wird“, sagte Seifert. Zur Diskussion steht eine Verschiebung der EM in den Winter oder nächsten Sommer. „Erst wenn das feststeht, wissen wir, welche Zeitoption wir haben, ob wir die Saison auch im Mai und Juni zu Ende spielen können.“

Seifert verteidigte, dass sich die Liga trotz der gewachsenen Kritik mit der Fortsetzung der Saison beschäftigt. „Ja, wir stellen ein Produkt her. Es steht aber mehr auf dem Spiel als nur ein paar Fußballspiele.“ Mehrere Tausend Jobs hängen vom Fußball ab. „Um diese kämpfen wir. Und nicht um die Millionengehälter. Bleiben TV-Geld sowie Zuschauer- und Sponsoreneinnahmen auf der Strecke, „ist es eine Frage der Zeit, wie lange das gut geht. Der Tag X (Wiederaufnahme des Spielbetriebs/d.Red.) ist hoffentlich nicht zu weit weg, sodass ihn alle 36 Profiklubs erleben.“

Denn wie der DFL-Boss bestätigte, sind die Klubs in diesem Fall nicht gegen ausbleibende Einnahmen aus Ticketverkäufen oder TV-Rechten versichert. „Unser Versicherungsschutz deckt eine Pandemie nicht ab. Ich kenne auch keine Profiliga, in der das der Fall wäre“, erklärte Seifert und sprach von einem Szenario „wie im Science-Fiction-Film“.

"Profifußball muss es aus eigener Kraft schaffen"

Wegen dieser Unsicherheit sind alle Klubs von der DFL aufgefordert, für jedes erdenkliche Szenario Kassensturz zu machen. So soll die jeweilige wirtschaftliche Leistungsfähigkeit festgestellt werden.

Die Fan-Vereinigung „Unsere Kurve“ hatte bereits vor dem Treffen gefordert, dass die Saison „so lange unterbrochen werden muss, wie es gesamtgesellschaftlich notwendig ist“. Bezüglich möglicher finanzieller Hilfen vertritt das Bündnis ebenfalls eine klare Meinung: „Der Profifußball muss sich aus eigener Kraft helfen und auf die Inanspruchnahme staatlicher Hilfen verzichten.“

Hilfe der Politik sei bisher kein Thema gewesen. Zunächst müsse die Liga einen Überblick bekommen. Seifert: „Wer hält wie lange ohne Spiele durch?“