Krönte den bisher besten deutschen Olympia-Tag und holte überraschend die Silbermedaille im Diskus: Potsdams Kristin Pudenz. Imago

Das fängt ja gut an! Deutschland startet dank geballter Frauenpower in der zweiten Olympia-Woche so richtig durch und räumt kräftig ab: Julia Krajewski reitet zur Goldmedaille, Ringerin Aline Rotter-Focken krönt ihre Karriere ebenfalls auf dem Olymp in Tokio. Dazu holen die Teamsprinterinnen Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze sowie Diskuswerferin Kristin Pudenz Silber.

Von der Pechmarie zur goldenen Reiterin: Nach vielen Höhen und Tiefen schlägt in Tokio die Stunde der 32 Jahre alten Krajewski. Im Sattel ihrer heißgeliebten Stute Amande de B'Neville wurde Krajewski als erste Frau überhaupt Olympiasiegerin in der Vielseitigkeit und lässt danach ihren Emotionen freien Lauf: „Es ist ein riesiges Gefühl, so eine Medaille für Deutschland gewonnen zu haben und für alle, die immer an mich glauben.“

Julia Krajewski lässt Emotionen freien Lauf 

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Julia Krajewski bewies in Tokio auf ihrer Stute Amande de B'Neville all ihr Können und gewann als erste Frau Gold in der Vielseitigkeit. 

Tränen liefen ihr in Strömen über das Gesicht, als ihre Mutter und Schwester ihr per Telefon und vor laufender Kamera als erste gratulierten. „Und mein Papa, der hat von oben zugeschaut“, erinnerte Krajewski mit zittriger Stimme an ihren Anfang des Jahres verstorbenen Vater.

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Auch Tiefschläge sportlicher Natur hat Krajewski zur Genüge erlebt. In Rio schied sie im Gelände aus, bei der WM 2018 in Tryon leistete sie sich einen Vorbeiläufer im Gelände, und vor vier Jahren bei der EM in Strzegom/Polen kostete ein Medikationsbefund bei Samourai du Thot die deutsche Equipe Silber. Sollte das in Tokio mit einer Medaille enden, hatte Krajewski vor ihrem abschließenden Ritt gesagt, „ist das der Stoff, aus dem Filme gemacht werden.“ Die Dreharbeiten können beginnen.

Auch Aline Rotter-Focken und Kristin Podenz jubeln

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Aline Rotter-Focken (l.) holte als erste Frau für Deutschland Gold im Ringen. 

Filmreif war auch der Aufritt von Rotter-Focken (30), der zum Abschluss ihrer aktiven Laufbahn ein historischer Triumph gelang. Mit einem deutlichen 7:3-Sieg im Finale der Gewichtsklasse bis 76 Kilogramm gegen die Amerikanerin Adeline Gray krönte sie sich zur ersten deutschen Olympiasiegerin im Frauen-Ringen. Rotter-Focken: „Es gab so viele Momente, wo ich dran gezweifelt habe, so viel geweint, gelitten und geackert habe. Jetzt hat es funktioniert. Das bedeutet mir alles.“

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Hauchdünn an Gold vorbei und dennoch glücklich: Deutschlands Teamsprinterinnen Lea Sophie Friedrich und Emma Hinze

Nur hauchdünn (0,085 Sekunden auf China) an Gold vorbei fuhren die Radsportlerinnen Hinze (23) und Friedrich (21) im Teamsprint. Die Bahnrad-Asse holten das ersehnte Edelmetall, nachdem zuvor im deutschen Team mit dem Corona-Fall von Radprofi Simon Geschke und dem Rassismus-Skandal um den abgereisten Sportdirektor Patrick Moster alles schiefgegangen war. 

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Diskurswerferin Kristin Podenz feierte ihren Coup und die Silbermedaille im Regen von Tokio ausgelassen.

Einen echten Coup im Regenchaos gelang Pudenz (28). Die Potsdamerin holte 25 Jahre nach Ilke Wyludda wieder eine Olympia-Medaille für Deutschland im Diskuswerfen, warf mit 55,86 Metern eine neue persönliche Bestleistung und musste sich nur Olympiasiegerin Valarie Allman (68,98) aus den USA geschlagen geben. „Bestleistung werfen ist natürlich immer cool, aber ich hätte nie gedacht, dass es für Silber reicht“, sagte Pudenz, die vorher die Top Acht angepeilt hatte und den deutschen Frauenpower-Tag in Tokio perfekt machte. 

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