Karl Geiger (r.) klatscht mit Markus Eisenbichler ab. Was in Oberstdorf noch ziemlich unterkühlt aussieht, soll sich an Neujahr  in Garmisch-Partenkirchen mit viel mehr Euphorie wiederholen. Foto: dpa

Karl Geiger genoss den ersehnten freien Vormittag im schmucken deutschen Teamquartier hoch über Oberstdorf in vollen Zügen. Als einziger Deutscher erfüllte er in der Regenschlacht beim Auftaktspringen der 70. Vierschanzentournee in Oberstdorf die Erwartungen. Der Rest der Adler kehrte ziemlich gerupft von der Schanze zurück.

„Ich bin weiter vorne dabei, alles ist im grünen Bereich“, sagt Geiger. Der Skiflug-Weltmeister setzt auf der zweiten Tournee-Station in Garmisch-Partenkirchen ganz auf Angriff – der erste deutsche Gesamtsieg seit zwei Jahrzehnten bleibt erklärtes Ziel. Los geht es mit der Qualifikation an Silvester und dann dem Neujahrsspringen am Sonnabend (jeweils 14.00 Uhr/ZDF und Eurosport).

Nur drei Meter Rückstand

Obwohl der fünfte Platz in seiner Heimat Oberstdorf nicht unbedingt das war, was sich Weltcup-Spitzenreiter Geiger für den Auftakt in die Mission Tourneesieg erhofft hatte, ist es doch die Eintrittskarte in den Kampf um den Goldadler. „Karl ist absolut in Schlagdistanz“, sagte der frühere Bundestrainer und heutige Eurosport-Experte Werner Schuster angesichts von umgerechnet nicht einmal dreieinhalb Metern Rückstand auf Auftaktsieger Ryoyu Kobayashi.

Für den Rest des Teams geht es in GAP um Wiedergutmachung. Der sechsmalige Weltmeister Markus Eisenbichler zeigte im zweiten Sprung seine Extraklasse, liegt als Siebter aber schon fast zwölf Meter hinter Kobayashi zurück. Dahinter durfte sich nur noch Rückkehrer Stephan Leyhe als Neunter über den Start freuen. Altmeister Severin Freund wies zwar Top-10-Niveau nach, wurde aber wegen eines irregulären Anzugs disqualifiziert. Pius Paschke stürzte im zweiten Durchgang ab, Constantin Schmid erreichte den nicht einmal. Und Andreas Wellinger musste nach vermasselter Qualifikation gar zusehen.

So ruhen die Hoffnungen auf Geiger, der allerdings ziemlich geschafft war nach dem Wettkampf. Im gelben Weltcup-Leader-Trikot und als große deutsche Tourneehoffnung anzutreten – das hatte Geiger mehr belastet als erwartet: „Es war reichlich Druck auf dem Laden, das Spannungslevel sehr hoch – dann gehen eben irgendwann die Beine zu.“ Auch Bundestrainer Stefan Horngacher hatte beobachtet, dass sein Musterschüler „sehr unter Strom stand“.

Seit 20 Jahren kein deutscher Sieg in GAP

Dass Geiger diese harte Probe ohne große Verluste bewältigte, könnte ihm Aufwind geben, hofft der Chef: „Er kann jetzt befreit nach Garmisch gehen.“ Die dortige Olympiaschanze allerdings hat den DSV-Adlern des öfteren die Tournee versaut. Der bislang jüngste Sieg in „GAP“ durch Sven Hannawald auf dem Weg zum bislang letzten deutschen Tournee-Erfolg datiert vom 1. Januar 2002 - es ist die längste deutsche Durststrecke auf den vier Schanzen. Mental ist Kobayashi da im Vorteil - er gewann bei seinem Tournee-Grand-Slam 2018/19 auch am Gudiberg.