Silvio Heinevetter Foto: dpa/Gora

Elf Jahre war Silvio Heinevetter das Gesicht der Füchse. Nationalspieler, verlässlicher Stammtorwart und zu jeder Zeit ein besonderer Charakter auf und abseits des Spielfeldes. Jetzt wechselt der 35-Jährige zur MT Melsungen.

Wenn Silvio Heinevetter auf dem Parkett steht, sind kleine Zwistigkeiten mit den Schiedsrichtern ebenso an der Tagesordnung wie Wortduelle mit gegnerischen Angreifern. Niemand ist so schnell im Kopf seiner Gegner. Denn den Worten folgte zumeist eine glänzende Leistung. Seine für viele unorthodoxe Art, sich zwischen den Pfosten zu bewegen, die ihn teilweise quer in der Luft liegen lässt, nur damit im richtigen Moment der entsprechende Fuß oder die benötigte Hand hervorschnellt, um ein Tor zu verhindern, sicherte den Füchsen allerlei Siege. Siege, die in den 497 Spielen seitdem ihn Bob Hanning 2009 von Magdeburg an die Spree holte, zu zwei Europapokal-Trophäen und Vereinsweltmeisterschaften führten.

Neben des Spielfeldes eher ein ruhiger Vertreter, machte Heinevetter – anders als auf dem Feld – nicht durch laute Worte sondern durch Taten auf sich aufmerksam. Sei es durch kleine Aufräumaktionen auf der Straße, die Unterstützung von Anti-Krebs-Initiativen wie „für Rosi“ oder durch sein politisches Engagement im Rahmen der Europawahl. Alles ohne großen Aufriss. Zurückhaltend und mit Selbstverständlichkeit.

Ganz ruhig kann er aber auch abseits des Feldes nicht. Leicht schräg posierte der Torhüter in der Corona-Zwangspause als Dude aus dem Film Big Lebowski, fiel wiederholt durch schräge Posen auf.

Und durch seine Liebe zu Union. Wenn es der eigene Spielplan zuließ, führte der Weg in die Alte Försterei. Nicht zum VIP-Bereich sondern auf die Waldseite, nicht mit Catering sondern Stadionwurst.

Ein letztes großes Spiel in der Schmeling-Halle wurde ihm durch die Corona-Pandemie indes verwehrt. Ohne sich von Fans gebührend feiern lassen zu können, muss sich das einstige Gesicht der Füchse unangemessen ruhig aus der Hauptstadt verabschieden. Doch Heinevetter versucht sich gewohnt gelassen zu geben: „Ich bin ja nicht aus der Welt.“