Der Vorwurf, dass unter Nationaltrainerin Anna Signeul bei den Finninnen ein rauer Ton herrsche, ist noch der geringste.
Der Vorwurf, dass unter Nationaltrainerin Anna Signeul bei den Finninnen ein rauer Ton herrsche, ist noch der geringste. AP/Rui Vieira

Das Viertelfinale der EM in England haben die deutschen Fußballfrauen als Sieger der Gruppe B längst erreicht, am Sonnabend zum Abschluss der Vorrunde in Milton Keynes gegen die schon ausgeschiedenen Finninnen (21 Uhr, ZDF) gibt es trotzdem kein Larifari. Das Ziel ist die perfekte Gruppenphase: neun Punkte, null Gegentore.

Dass mit Lena Oberdorf und Felicitas Rauch zwei Asse eine Gelbsperre abbrummen müssen, Torjägerin Lea Schüller weiter positiv auf Corona getestet wurde und selbst die Migräne von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg sind quasi nichts gegen die Probleme, die der Gegner hat.

Frauen-Fußball: Mutter sein und Job unvereinbar?

Bei den Nordmädels fliegen die Fetzen. Im Mittelpunkt der Sturms: Anna Signeul (61). Die Nationaltrainerin soll keine coole Schwedin sein, sondern eher eine Aggro-Anna. Zumindest, wenn man Ex-Co-Trainerin Maiju Routsalainen (38) so hört.

Die feuerte vorm Spiel gegen die deutsche Elf eine volle Breitseite auf ihre Ex-Chefin ab. Finnisch reden? Nicht in ihrer Gegenwart! Arbeiten? Bis tief in die Nacht! Und als Krönung: Mutter sein? Unvereinbar mit dem Job!

Maiju Routsalainen lässt kaum ein gutes Haar an ihrer Ex-Chefin Anna Signeul.
Maiju Routsalainen lässt kaum ein gutes Haar an ihrer Ex-Chefin Anna Signeul. Imago/Bildbyran

Routsalainen: „Als ich Mutter geworden bin, wurde mir gesagt, dass ich nicht mehr die Trainerin sein könne, die ich ohne Kind war. Es herrscht ein rauer Ton und der Verband tut nichts.“ Rums!

DFB-Gegner Finnland räumt Probleme ein

Immerhin räumte Generalsekretär Marco Casagrande ein: „Es hat definitiv eine Weile gedauert, sich an Annas Anforderungsniveau und Stil zu gewöhnen.“ Routsalainen sei nicht die einzige Beschwerdeführerin, die Vorwürfe würden sehr wohl ernst genommen.

Verbandsboss Ari Lahti versucht, das Pulverfass zu deckeln und berichtete: Kapitänin Tinja-Riikka Korpela, einst im Bayern-Tor, habe Signeul das „vollste Vertrauen“ ausgesprochen.

Finnen-Zoff: Maiju Routsalainen bleibt cool

Signeul wehrt sich: „Die Anschuldigungen machten mich traurig, ich habe mein Leben der Unterstützung von Frauen und Mädchen im Fußball gewidmet und versuche, ein Vorbild zu sein. Englisch ist nun mal Arbeitssprache im Fußball, nicht Finnisch.“

Wie auch immer: Alles deutet darauf hin, dass das Spiel gegen Deutschland ihr letztes als Finnlands Nationaltrainerin wird. Vielleicht wird ja dann Routsalainen ihre Nachfolgerin. Sie sagt: „Eigentlich hat sie ja recht, ich bin wirklich nicht mehr die Trainerin von einst: Ich bin jetzt viel besser.“

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