TV-Experte und Ex-Formel-1-Pilot Ralf Schumacher (l.) sieht die Leistungen des viermaligen Weltmeister Sebastian Vettel im Aston Martin mit Sorge.  Imago (2)

Das lichte Haupthaar zerzaust, die Klamotten unter den Arm geklemmt – wie ein gerupftes Huhn verließ Sebastian Vettel (34) den Olympia-Park in Sotschi. Nach einem abermals enttäuschenden Rennen blieb dem Aston-Martin-Hinterherfahrer nur, Lewis Hamilton (36) zu dessen 100. Grand-Prix-Sieg zu gratulieren: „Ich denke, es war ein unterhaltsames Rennen für die Fans und ich freue mich, dass Lewis seinen 100. Grand Prix gewonnen hat: eine große Leistung und verdient.“

Hamilton gegen Vettel, noch vor vier Jahren war das ein Duell zweier viermaliger Weltmeister auf Augenhöhe. Doch seit Vettels verschenkten Titeln mit Ferrari drifteten ihre Leistungs- und Erfolgsbilanzen extrem auseinander. Während Hamilton alle wichtigen Rekorde von Michael Schumacher (52) brach und nun sogar die für unerreichbar gehaltene 100-Siege-Schallmauer knackte, verharrt Vettel seit seinem Singapur-Sieg 2019 bei 53 Erfolgen – und schafft es aktuell nicht mal mehr in die Top Ten.

Aston Martin stürzt ab

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Sebastian Vettel schaffet beim Russland-GP in Sotschi im Qualifying mal wieder nicht den Sprung in die Top Ten. 

Platz 13 in Zandvoort, jeweils Zwölfter in Monza und Sotschi und auch nur WM-Zwölfter – dabei hatte das von Mode-Milliardär Lawrence Stroll (62) aufgerüstete Ex-Racing-Point-Team von Siegen geträumt. Jetzt ist Aston Martin auf WM-Rang sieben abgestürzt – hinter Alpha Tauri (früher Minardi).

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Doch obwohl Vettel an einen Rücktritt zum Saisonende gedacht haben soll, was er in Monza auch nicht dementierte, verlängerte er seinen Vertrag noch einmal – in der vagen Hoffnung auf ein besseres Auto nach der großen Regel-Reform.

Vettel lässt sich von Stroll vorführen

Noch schlimmer für seinen ramponierten Ruf ist: Er lässt sich vom jungen Teamkollegen Lance Stroll (22) auf der Nase rum tanzen und muss danach noch bei dessen Milliardärspapa zum Rapport. Wie in Monza, wo ihn Stroll jr. am Kurvenausgang ins Kiesbett gedrückt hatte, gerieten die Teamkollegen auch in Sotschi aneinander. Der durch den einsetzenden Regen zurückgefallene Stroll drängte den schnelleren Vettel in die Mauer und blieb vor ihm Elfter.

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Wirkt angesichts der Leistung von Aston Martin ratlos: Sebastian Vettel in Sotschi. 

Doch anstatt öffentlich auf den Tisch zu hauen, wie es ein Fernando Alonso (40) ohne jede Rücksicht aufs Team machen würde, nahm Vettel Stroll in Schutz („Er hat mich wohl nicht gesehen“) und ließ sich von Papa Stroll noch die Leviten lesen.

Vettel-Motto: Augen zu und durch

Bei diesen Bildern stellt sich nicht nur Sky-Experte Ralf Schumacher (46) die Sinnfrage: „Das war wieder kein gutes Wochenende von Sebastian – leider. Erst verpasst er im Qualifying die Top Ten und Jungs wie Norris und Russell zeigen ihm, wie man hier in die ersten Startreihen fährt. Und im Regen geht sein Reifenpoker nicht auf.“

Ralf war einer der Experten, die das Rücktrittsgerücht ernst genommen hatten: „Ich kenne die Situation selbst, wenn man da sitzt und nicht mehr so richtig Spaß hat, aber dann auch verreist, die Familie ist zu Hause, man ist allein an der Rennstrecke, dann stellt man sich irgendwann die Sinnfrage.“

Doch dass Vettel trotz Vertrag vorzeitig seine Sachen packen könnte, ist unwahrscheinlich. Er scheint im Spätherbst seiner Karriere nach dem Motto zu fahren: Augen zu und durch!

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