Haben sich nichts zu sagen. Dafür liefern sich Lewis Hamilton (l.) und Max Verstappen einen richtig heißen Kampf um die Formel-1-WM. AFP/Carl de Souza

Die Luft brennt über dem Losail Circuit in Doha, die Atmosphäre vor der Formel-1-Premiere von Katar (Sonntag, 15 Uhr, Sky) könnte hitziger nicht sein. Zum einen sind da die moralischen Bedenken wegen der Menschenrechtsverletzungen im Emirat. Zum anderen eskaliert vor den verbleibenden drei Rennen in Arabien der WM-Zoff zwischen Mercedes und Red Bull. Da sind Fahrer, Fans und Veranstalter in Sorge: Wie schmutzig wird das Formel-1-Finale?

Brennpunkt Katar: Nach der umstrittenen Vergabe der Fußball-WM 2022 sicherte sich das Emirat nun auch die Formel-1-Rechte – für angeblich 70 Millionen Euro pro Jahr. Zum Vergleich: Die Betreiber von Nürburgring und Hockenheimring mussten schon vor der Pandemie bei Summen von etwa 15 Millionen Euro aussteigen.

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Mit dem sogenannten Sportswashing versuchen die Scheichs seit Jahren, ihr durch Menschenrechtsverletzungen und Hunderte tote Gastarbeiter auf den Stadion-Baustellen angekratztes Image aufzupolieren.

Formel 1 beschleunigt Wandel

Doch wie Bayern-Kapitän Manuel Neuer (35) hinterfragen nun auch die Formel-1-Stars die Entscheidung ihrer Arbeitgeber. Sebastian Vettel (34) sagt über die Rennen in Arabien: „Wir reisen in viele Länder, und vieles von dem Geld, das wir dort bekommen, ist vielleicht nicht besonders rein.“

Dies halte er aus moralischer Sicht für „falsch“. Weltmeister Lewis Hamilton (36) hatte schon im Frühjahr über das Rennen im Nachbaremirat Bahrain gesagt: „Ich denke nicht, dass wir in diese Länder gehen und ignorieren sollten, was dort passiert.“

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Formel-1-Boss Stefano Domenicali (56) verteidigt die Entscheidung: „Es wäre falsch, diese Länder auszuschließen. Dort findet ein kultureller Wandel statt, der Zeit braucht. Aber das Timing wird dadurch beschleunigt, dass es große Events gibt. Und die Formel 1 wird dabei eine wichtige Rolle spielen.“

Neue Video-Beweise

Brennpunkt WM-Kampf: Nach dem Gift-und-Galle-Rennen in Interlagos, wo Hamilton trotz erfolgreichen Red-Bull-Protests gegen den Mercedes-Heckflügel, einer Doppel-Strafe mit dem Verlust von insgesamt 25 Startplätzen und einem Verteidigungsmanöver von Rivale Max Verstappen (24) außerhalb der Strecke gewonnen hatte, sinnt Mercedes auf Rache.

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Das Silberpfeil-Team hat beim Weltverband Fia eine erneute Überprüfung des Verstappen-Manövers beantragt. Dafür legt es „neue Beweise“ in Form von Verstappens Onboard-Video vor, auf das Fia-Rennleiter Michael Masi (42) nach eigener Aussage während des Rennens keinen Zugriff gehabt habe. Darauf soll zu sehen sein, dass der Niederländer Hamilton absichtlich von der Strecke drückt.

Verliert Verstappen Punkte?

Teamchef Toto Wolff (49) hatte das Manöver kritisiert: „Max fährt mit dem Messer zwischen den Zähnen. Aber wenn du es so machst, dann musst du mit einer Fünf-Sekunden-Strafe rechnen. Das aber als normalen Rennzwischenfall abzutun und unter den Teppich zu kehren, ist eigentlich peinlich.“

Sollte die Fia den Protest zulassen und Verstappen nachträglich eine Zeitstrafe aufbrummen, würde er seinen zweiten Brasilien-Platz an Hamilton-Helfer Valtteri Bottas (32) verlieren und hätte in der WM nur noch elf Punkte Vorsprung.

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