Mick Schumacher dpa/Bradley Collyer/PA Wire

Die Formel 1 rast wieder los. Die Königsklasse des Motorsports startet am Sonntag (16 Uhr, Sky) in ihre 73. Saison. Nach dem denkwürdigen WM-Finale in Abu Dhabi mit der Entthronung von Serien-Weltmeister Lewis Hamilton (37) in der letzten Runde durch Max Verstappen (24) steht natürlich ihr Titel-Duell im Mittelpunkt.

Gewinnt der „fliegende Holländer“ seinen zweiten Titel oder kann der alternde Mercedes-Superstar noch einmal zurückschlagen und mit seinem achten Titel Michael Schumacher (53) als alleiniger Rekordweltmeister überholen?

Oder gibt es einen lachenden Dritten? Ferrari machte bei den Tests in Barcelona und Bahrain den stärksten Eindruck, war aber auch schon in der Ära von Sebastian Vettel (34) oft Test-Weltmeister und schmierte dann in der zweiten Saisonhälfte ab.

Der in den vergangenen Jahren fehleranfällige Vierfach-Weltmeister muss in seiner zweiten Saison bei Aston Martin beweisen, dass er es noch drauf hat und zumindest mal um ein Podium kämpfen. Und Mick Schumacher (22) darf in seinem zweiten Formel-1-Jahr mit einem verbesserten Haas-Ferrari auf seine ersten WM-Punkte hoffen. Für den Kölner Stadt-Anzeiger gibt RTL-Experte Christian Danner (63) seine Einschätzungen zu den wichtigsten Fahrern.

Die WM-Rivalen: „Hamilton will über sich hinauswachsen“

Max Verstappen imago/Phil Duncan

Max Verstappen (24, Red Bull): „Dass er trotz der merkwürdigen Umstände in Abu Dhabi ein würdiger Weltmeister ist, muss er nicht mehr beweisen. Er ist neben Hamilton der zweite Ausnahmekönner in der Formel 1, das ist sicher. Aber er ist ein ganz anderer Typ: Er denkt zum jetzigen Zeitpunkt gar nicht über seinen zweiten Titel nach. Max ist ein Typ, der will einfach in jedem Rennen so schnell fahren wie es geht und Erster werden und nicht Zweiter. Diese Herangehensweise war schon im Kart so und die hat er sich erhalten. Der sagt sich: Halleluja, sollen sie kommen! So eine Persönlichkeit wird in einem guten Auto immer die Möglichkeit haben, um den WM-Titel zu kämpfen. Aber ob der Red Bull wirklich so gut ist, wissen wir noch nicht.“

Lewis Hamilton (37, Mercedes): „Das, was für Verstappen gilt, gilt auch für Hamilton. Ich glaube nicht, dass sein Antrieb darin besteht, Michael zu entthronen. Sein Antrieb ist einzig und allein auf sich selbst fokussiert: zu gewinnen und über sich selbst hinaus zu wachsen. Das ist sein Lebensmotto. Und auch wenn man Lewis’ Art nicht mag, muss man anerkennen: Er hat schon brutal gute Leistungen abgeliefert. Er wäre genauso verdienter Weltmeister geworden letztes Jahr wie Max Verstappen. Von daher gehe ich davon aus, dass Hamilton auch in dieser Saison in absoluter Topform ist. Das ist ein Ausnahmekönner und so lange der die nötige Energie und die Freude an dieser Aufgabe hat, bringt er auch seine Leistung. Er befindet sich ja in einem Stadium seiner Karriere, wo er schon längst hätte aufhören können. Bei Nico Rosberg war der Fall schon nach dessen ersten Titel erledigt. Aber der Lewis ist halt ein Typ, der sehr sehr gerne Rennauto fährt.“

Lewis Hamilton
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Die Herausforderer: „Ferrari kann sich in eigenen Fuß schießen“

George Russell (24, Mercedes): „Der neue Herausforderer für Lewis ist ein Ausnahmetalent – unglaublich schnell, unglaublich motiviert. Aber der muss erst mal zeigen, dass er das in dem Mercedes auch umsetzen kann. Gut, der hat einen Grand Prix gefahren, wo er sofort schneller war als der Valtteri Bottas. Schön, gut, dass hat er ganz toll hingekriegt. Aber so ’nen Hamilton zu knacken, da gehört mehr dazu. Deshalb macht der Russell auch auf Understatement und sagt: Ich muss ja erst mal lernen. Dabei will der nichts anderes, als dem Hamilton um die Ohren zu fahren. Genauso wie es der Hamilton damals bei McLaren mit Alonso gemacht hat.“

George Russell Giuseppe CACACE/AFP

Charles Leclerc (24) und Carlos Sainz (27), Ferrari: „Für mich war der Carlos Sainz die positive Überraschung der vergangenen Saison. Und die Form hat er auch bei den Tests gezeigt. Er fährt auf Augenhöhe mit Leclerc und das ist grundsätzlich für Ferrari erst mal sehr gut. Es wird allerdings dann höchst problematisch, wenn man irgendwann Mitte des Jahres mal einen bevorzugen muss. Weil das heißt immer, dass der andere benachteiligt wird und im Sinne der Stallorder für den Teamkollegen fahren muss.

Und da haben wir jetzt einen Carlos Sainz, der sich damals bei Toro Rosso mit Max Verstappen rumgeschlagen hat ohne Ende und sich wahnsinnig geärgert hat, dass dieser Verstappen in seinen Augen bevorzugt wurde, obwohl er doch eigentlich genauso schnell fährt. Und so unrecht hatte der gar nicht. Diese Leclerc-Nummer ist nicht ohne. Und Ferrari tendiert schon dazu, nicht mit dem nötigen Überblick und Feingefühl diese teaminternen Dinge zu regeln. Es kann auch ein Schuss in den eigenen Fuß werden.“

Die Deutschen: „Sehe Vettel nicht in der Nähe von Siegen“

Sebastian Vettel (34, Aston Martin): „Der Vettel wurde ja bei Ferrari von Leclerc gelinkt. Und Teamchef Arrivabene hatte ja von Motorsport überhaupt keine Ahnung und hat eigentlich nur gezeigt, wie man es nicht macht. Wenn er die gehabt hätte, wäre Vettel auf jeden Fall bei Ferrari Weltmeister geworden. Aber das ist passé. Vettel ist auch bei Aston Martin natürlich noch motiviert, aber ich sehe ihn nicht in der Nähe eines aus eigener Kraft herausgefahrenen Grand-Prix-Sieges.

Ein Martin Brundle sieht ihn nicht mehr unter den Top-Fünf-Fahrern, das würde ich nicht sagen. Aber da sind sechs Top-Autos vor ihm, die musst du erst mal hinter dir lassen. Und auch das Mittelfeld ist hart umkämpft, da muss sich Aston Martin erst mal gegen McLaren, Alpine und Co. behaupten. Das wird sehr schwierig für Vettel, da ein Highlight zu setzen.“

Mick Schumacher (22, Haas): „Sein neuer Teamkollege Kevin Magnussen ist weniger ein Härtetest für Mick, sondern ein wahnsinniger Glücksfall. Einen solch erwiesenermaßen erfahrenen und schnellen Formel-1-Fahrer als Teamkollegen zu haben, an dem er sich messen kann. Dass es nicht einfach ist, Leute eines solchen Kalibers zu schlagen, ist klar. Aber als Formel-1-Fahrer musst du über kurz oder lang jeden schlagen können, sonst klappt’s nicht.

Wenn Mick den Nikita Mazepin schlägt, bedeutet das nichts, das weiß jeder. Wenn er den Pietro Fittipaldi verbläst, bedeutet das nichts. Wenn er aber den Kevin Magnussen schlägt oder zumindest auf Augenhöhe fährt, wird er auch innerhalb des Fahrerlagers und im Hinblick auf seine Zukunft unglaublich profitieren. Dann heißt es: Der Kerl ist wirklich schnell.“

Die Wundertüte

Valtteri Bottas (32, Alfa Romeo-Sauber): „Ihm traue ich eine Überraschung zu. Der Sauber war schnell beim Test, und ich halte sehr viel von Bottas. Er hatte zwar bei Mercedes seine Formschwankungen, aber der Hund ist schon schnell. Der Lewis wusste genau, wenn es bei Valtteri passt, ist der schneller als ich. Vielleicht kann er sich in einem Umfeld, in dem er nicht permanent eine Ohrfeige kriegt oder zurückgesetzt wird gegenüber Hamilton, ausgestattet mit einem Dreijahresvertrag, noch mal zeigen und aus dem Auto was herausholen.“