Anthoine Hubert starb vor einem Jahr. Foto: Imago Images

Die Formel-Familie steht vor dem Rennen der Trauer. Vor dem Belgien-GP (Sonntag, 15.10 Uhr, RTL & Sky) werden bei allen Beteiligten die Bilder des grauenvollen Unfalls des französischen Formel-2-Jungstars Anthoine Hubert (22) hochkommen, der später an den Folgen verstarb. Vor allem natürlich bei seinen Angehörigen und Formel-2-Kollegen wie Mick Schumacher (21) und auch bei seinem Freund, dem Ferrari-Vorjahressieger Charles Leclerc (22).

Der gleichaltrige Monegasse gedachte Hubert auf dem Podium mit Trauerflor und Fingerzeig in den Himmel. Sein erster Formel-1-Sieg brach zwar endgültig den Nummer-1-Status von Platzhirsch Sebastian Vettel (33), tröstete ihn aber nicht über den Verlust hinweg.

„Die Rennstrecke hat einen besonderen Platz in meinem Herzen. Hier habe ich zwar meinen ersten Sieg errungen, aber wir haben hier auch unseren Freund Anthoine verloren. Es wird schwierig sein, auf diese Strecke zurückzukehren, und er wird das ganze Wochenende in unseren Gedanken sein.“, sagte Leclerc vor dem ersten Training auf der Ardennen-Achterbahn.

Auch Huberts französischer Kumpel Pierre Gasly (24) trauert. Der Alpha-Tauri-Pilot sagt: „Ein trauriger Moment, denn es ist erst ein Jahr her, dass Anthoine nach diesem schrecklichen Unfall sein Leben verlor.“

Am 31. August 2019 war Hubert nach dem Horrorcrash mit Juan Manuel Correa (21) in der Kurve Raidillon ausgangs der berüchtigten Senke Eau Rouge ums Leben gekommen. Der Puerto Ricaner war in der Regen-Gischt ungebremst mit 250 km/h in den querstehenden Hubert-Boliden gekracht, der Franzose hatte keine Chance. Correa verlor fast sein rechtes Bein, das die Ärzte in mehreren Operationen retten konnten. Er arbeitet jetzt am Comeback.

Nach dem Todes-Crash war erneut eine Diskussion um die Sicherheit in Spa losgebrochen. Der Weltverband FIA hatte den Unfallhergang genau analysiert, Rennleiter Michael Masi (41) war aber zu der traurigen Erkenntnis gekommen, dass eine Kette von unvorhersehbaren Ereignissen den tödlichen Unfall ausgelöst habe.

Um die Gefährlichkeit seines Sports weiß natürlich auch Vettel. Der Altmeister verunglückte selbst schon mal schwer in der Raidillon. Im Rennen der Renault-World-Series 2007 krachte er in die Reifestapel und brach sich den rechten Zeigefinger. „Alle möglichen Faktoren können beeinflussen, wie es im Rennen läuft, das fängt beim Wetter an, das für gewöhnlich ziemlich wechselhaft ist“, weiß Vettel, dass fürs Wochenende wieder Regen angesagt ist.

Das ist auch die einzige Hoffnung für Ferrari, nicht gänzlich gegen Mercedes unterzugehen. In allen sechs Rennen stand ein Silberpfeil-Pilot auf der Pole Position (viermal Lewis Hamilton, zweimal Valtteri Bottas), und in Spa ist letztmals deren Party-Modus mit einer PS-Spritze im Qualifying erlaubt. Vettel dagegen muss in seiner Roten Gurke wieder mal Schadensbegrenzung betreiben und für die folgenden Ferrari-Festspiele mit dem 999. Grand Prix in Monza und dem 1000. in Mugello auf Besserung hoffen.