Sebastian Vettel findet, dass die Formel 1 umweltfreundlicher werden muss. Foto: AFP/Jennifer Lorenzini

Auf der berühmten Steilkurve des Autodromo Nazionale simulierten Sebastian Vettel (33) und seine Ferrari-Crew noch einmal Eintracht. Für einen PR-Film hockten der zum Saisonende ausgebootete Ex-Weltmeister und seine Ingenieure auf der oberen Leitplanke, um dann die 21-Grad-Neigung runterzulaufen – das gelang im Gegensatz zum Inteam-Crash mit Rivale Charles Leclerc (22) in Spa diesmal unfallfrei.

Im Training am Freitag allerdings lief es dann wieder alles andere als geschmiert. Nach dem Mega-Flop am Morgen (19.) kam Vettel bei der zweiten Session am Nachmittag als 12. ins Ziel, Leclerc erging es 9. Kaum besser. Die Silberpfeile waren einmal mehr weit weg.

Schon vor dem wegen seiner Roten Gurke und der fehlenden Fans ohne Vorfreude erwarteten Heimrennen in Monza (Sonntag, 15.10 Uhr, RTL & Sky) ging Vettel verbal auf Crash-Kurs – gegen Ferrari und die Formel 1 im Allgemeinen. Und sofort kochen Gerüchte über sein Karriereende wieder hoch. Sagt Vettel doch nicht „Yes“ zu einem langfristigen Vertrag mit Aston Martin, sondern Arrivederci?

„Wir hatten großartige Momente, wir hatten nicht so tolle Momente“, sagte Vettel über die Scuderia, von der er spätestens seit dem Monza-Qualifying im Vorjahr demontiert wurde. Leclerc verweigerte ihm den Windschatten und erhielt von Teamchef Mattia Binotto (50) nach seinem Heimsieg die Absolution: „Ich vergebe dir.“ Das wird Vettel dem „Binocchio“ nie vergeben, doch er will sich in seinen letzten zehn Rennen nichts zuschulden kommen lassen: „Ich werde am Saisonende in der Gewissheit aussteigen, dass ich alles gegeben habe.“

Doch steigt er um in das neue Bond-Auto oder ganz aus? Auf die Frage nach seiner Zukunft, wich Vettel aus: „Da müsst ihr eine Weile warten.“ Auf Nachfrage, ob er nach einem möglichen Karriereende als Teamchef zurückehren werde, sagte Vettel: „Dafür bin ich zu jung.“

Ex-Mercedes-Star David Coulthard (49) riet ihm ja, erst für Aston Martin zu fahren und dann ins Management zu wechseln. Mit dieser Vision kann sich Vettel noch nicht anfreunden: „Auch wenn man selbst ein Team führt, ist der Einfluss begrenzt, weil man sich an Reglements halten muss.“

Wenn er etwas zu sagen hätte, würde er auf jeden Fall einiges ändern: „Die Welt ändert sich ständig und sehr schnell. Die Formel 1 muss darauf mehr reagieren als sie es tut. Der Sport muss mehr tun, als nur Regeln zu ändern, damit die Autos näher zusammenrücken. Die Motoren verbrauchen immer noch viel Benzin. Wir müssen auf jeden Fall unseren ökologischen Fußabdruck verkleinern.“ Dabei wünschte er sich noch vor zwei Jahren die lauten Zwölfzylinder zurück. Das klingt plötzlich doch nach Karriereende.