Buchmann scheint nicht in der Lage zu sein, ganz vorne mitzufahren. Foto: dpa/Ena

Emanuel Buchmann hat im Kampf um das ersehnte Tour-Podest schon auf der ersten Pyrenäen-Etappe einen dicken Dämpfer kassiert. Der Bora-hansgrohe-Kapitän musste beim Berg-Showdown am Samstag früh abreißen lassen und verlor mehr als eine Minute auf seine großen Rivalen - derzeit scheint Buchmann nicht in der Lage, ganz vorne mitzuspielen.

Während der Franzose Nans Peters (AG2R) nach den 141 km mit den berüchtigten und trotz Corona-Maßnahmen von Menschenmassen bevölkerten Pässen Port de Bales und Peyresourde in Loudenvielle einen Ausreißersieg feierte, verteidigte der Brite Adams Yates (Mitchelton-Scott) das Gelbe Trikot erfolgreich vor Topfavorit Primoz Roglic (Slowenien/Jumbo-Visma).

Beide erreichten das Ziel 6:40 Minuten nach Peters, Buchmann hatte als Tages-25. 7:43 Minuten Rückstand und ist im Gesamtklassement 1:25 Minuten hinter Yates Elfter. „Emu hat am letzten Berg den Kontakt verloren, aber er ist nicht komplett eingebrochen. Wir haben Zeit verloren, aber nicht allzu viel. Es ist nichts verloren“, sagte Boras Sportlicher Leiter Enrico Poitschke.

Roglics junger Landsmann Tadej Pogacar (UAE Team Emirates) holte als einziger Klassementfahrer nennenswerte Zeit - 40 Sekunden - auf die anderen Favoriten heraus. Großer Verlierer war Frankreichs Hoffnungsträger Thibaut Pinot, der bereits am vorletzten Berg abgehängt wurde und den Traum vom Tour-Sieg erneut begraben muss. Auch der französische Publikumsliebling Julian Alaphilippe verlor Zeit.

„Wir wollen nicht attackieren, sondern probieren, keine Zeit zu verlieren und mit den Besten mitzuhalten“, hatte Poitschke am Mittag beim Start zu Buchmanns Tagesziel gesagt - das klappte nicht wirklich.

Buchmann schien zwar zunächst gut erholt von den Strapazen des Vortages, als er mit seinem Bora-Team stundenlang für Sprinter Peter Sagan mächtig Tempo gemacht und das Feld gesprengt hatte. Auch seine wichtigsten Helfer waren zunächst an seiner Seite, verabschiedeten sich am höchsten Berg des Tages, dem Port de Bales, aber nacheinander.

„Ganz wichtig ist, dass wir Emanuel immer auf einer guten Position in den Berg fahren“, sagte Poitschke - Buchmann war jedoch wie bei der ersten Bergankunft am Dienstag früh alleine. Und am Peyersourde verließen den 27-Jährigen die Kräfte.

Den Col de Mente (1. Kategorie) nach rund 60 km hatte zuvor eine 13-köpfige Ausreißergruppe mehr als zwölf Minuten vor dem Feld überquert. Der 1755 m hohe Port de Bales (höchste Kategorie), dessen Anstieg rund 50 km vor dem Ziel begann, ließ die Spitzengruppe explodieren.

Dahinter machte Jumbo mittlerweile mächtig Dampf, Wout Van Aert - der unglaublich vielseitige Belgier war am Vortag noch Etappensieger im Sprit - führte seinen Kapitän Roglic mustergültig über die Passhöhe, die Favoritengruppe wurde immer kleiner, Buchmann war aber noch dabei.

Die folgende „sehr gefährliche und schnelle Abfahrt“ und den direkt folgenden Anstieg zum Peyresourde hatte Poitschke als „Schlüsselstelle“ ausgemacht. Und in der Tat wurde der Anstieg Buchmann zum Verhängnis. Während sich auf dem Weg zum Peyresourde, der 1910 als erster Hochgebirgs-Pass bei der Tour befahren wurde, Pogacar, Roglic und Co. einen heißen Kampf lieferten, kämpfte Buchmann um Schadensbegrenzung.

Um die geht es für ihn wohl auch am Sonntag. Der Abschluss der in diesem Jahr kurzen Pyreänen-Tour bietet zwar ebenfalls keine Bergankunft, dafür zwei tückische Anstiege: Den erstmals im Programm stehenden, bis 11,4 Prozent steilen Col de la Houcere. Und vor allem die gegen Ende bis 13,6 Prozent steile Rampe des Col de Marie Blanque, dessen Passhöhe nur 18 km vor dem Ziel liegt.