Faszinierender Kampf, knapper Sieg: Jack Culcay (r.) entscheidet das Duell gegen Abass Baraou für sich. DPA/Andreas Gora

Puh, das war knapp. Eine geteilte Punktrichter-Entscheidung (116:113, 114:115, 113:115) bei diesem tollen Boxspektakel. Alle warteten gebannt, welchen Namen der Ringrichter in der späten Freitagnacht als Sieger ausrufen würde. Es waren wegen der Hygienevorschriften nur 140 Zuschauer in die Berliner Havelstudios, aber sie waren fasziniert, laut wie 1400, jetzt aber vor Spannung ganz leise: „Jack, Golden Jack Culcaaaaaay“, schallte es durch die Boxen. Culcay hob erleichtert beide Fäuste. Das Gesicht von Abass Baraou wirkte nach seiner ersten Profi-Niederlage im 10. Kampf dagegen, als habe er einen schwarzen Vorhang vorgezogen.

Viele hatten von den Berliner Boxern, zwei begnadeten Technikern im Superweltergewicht, Deutschlands Boxkampf des Jahres erwartet. Der wurde es. Baraou (25) und Culcay (34) zeigten alles, was Boxen attraktiv macht: Offensive, Defensive, Konter, Eleganz, Kombinationen, Haken, Geraden, Variationen, kaum Klammern, kein Verschnaufen. 

Zunächst war Culcay der Aktivere, Baraou tänzelte leichtfüßig, immer in Bewegung, pendelte um Treffer zu vermeiden. Ab Runde vier erhöhte Baraou seinen Druck, dominierte, versuchte, mit Körpertreffern Wirkung zu erzielen. Culcay suchte dosiert die Lücke in Baraous Deckung. „Gegen Ende hin, habe ich gespürt, dass ich hinten liege. Meine Ecke hat mir gesagt, ich muss mehr machen. Das war das Entscheidende“, sagte Culcay.

Er boxte um seine Karriere, die bei einer Niederlage wohl zu Ende gewesen wäre und darum, dass sein Arbeitgeber Agon nicht den Hauptkämpfer verliert. Nun hat er das Recht auf einen WM-Ausscheid. Erleichtert trug der Berliner Agon-Chef Ingo Volckmann seinen Boxer durch den Ring.

„Ich fühl‘ mich nicht besiegt, aber ich hab‘ trotzdem verloren. Ich muss damit klarkommen“, sagte Baraou. „Es war ein Weltklasse-Kampf“, fand Ulli Wegner, der früher beide Boxer trainierte, „Culcay hatte die beeindruckenderen Treffer, aber Abass kommt noch nach vorne. Er ist ein Weltklasse-Mann."

„Das war Werbung fürs Boxen“, schwärmte der frühere Profi Axel Schulz. „Einfach Hammer“, rief Promoter Volckmann begeistert, „das war für Jack und für mich ganz, ganz wichtig. Denn wir haben ja keinen Fernsehsender. Wir sind aber für kommende Veranstaltungen in Gesprächen. So ein Duell wie heute zu veranstalten war sicher riskant, aber es hat sich gelohnt.“