Sebastian Vettel hat seinen Ferrari nicht unter Kontrolle, dreht sich. Foto: AFP/Boyers

Jetzt wird’s schmutzig. Aus dem Rosenkrieg zwischen Sebastian Vettel (33) und Ferrari ist nach seinem Blitz-Dreher und Funk-Zoff mit Teamchef Mattia Binotto (50) ein offener Krieg geworden. Vettels Attacke an der aus seiner Sicht absichtlich falschen Taktik („Ihr wisst, dass Ihr es verbockt habt“) folgte Binottos Konter: „Sein Dreher am Start hat sein Rennen und Ergebnis versaut und nicht die Strategie.“ Kommt es jetzt schon vor dem Barcelona-Rennen (Sonntag, 15.10 Uhr, RTL & Sky) zur Blitz-Scheidung?

Das gegenseitige Vertrauen ist auf dem Nullpunkt angekommen. Auf die Frage, warum seine Rote Gurke soviel langsamer und defektanfälliger ist als der SF1000 von Binotto-Liebling Charles Leclerc (22), der seinen vierten Platz wie einen Sieg feierte, sagte Vettel: „Ich glaube irgendwas fehlt, ich bin mir aber nicht sicher, was es ist. Irgendwo ist etwas faul.“

Binotto widersprach zwar den Sabotage-Vorwürfen, doch er kündigte immerhin an: „Wenn wir Sebs Vertrauen mit einem neuen Chassis wieder herstellen können, bekommt er ein neues Chassis. Wir werden alles dafür tun, dass er sich wohler fühlt.“ Doch auf Nachfrage, ob Vettel noch Hoffnung auf Besserung habe, flüchtete er sich in Fatalismus: „Ich glaube, von da wo ich bin, kann es nicht mehr schlimmer werden.“

Zehnter und Zwölfter in den beiden Silverstone-Rennen, nur zehn Punkte aus fünf Rennen, WM-13. – so schlecht war Vettel nur in seinem Rookie-Jahr 2008. Und dazu bekommt er noch jede Menge Spott – und noch schlimmer – sogar Mitleid.

Sky-Experte Ralf Schumacher (45) nannte seinen Dreher in der ersten Kurve „Bockmist“. Aber er kritisierte auch die Benachteiligung durch Binotto: „Leclerc hat ganz klar das schnellere Auto. Wie Ferrari Sebastian behandelt, ist nicht korrekt und das hat er auch nicht verdient.“

Auch Vettels Red-Bull-Besieger Daniel Ricciardo (31) konnte dessen Ohnmacht nach einem eigenen Dreher im Duell mit Carlos Sainz jr. (25), wodurch er Rang fünf verlor, nachfühlen und nannte das üble Phänomen des Gripverlusts auf der Innenseite „Seb-Spin“.

Vettel vermutete schon nach seinen Drehern in Monza und Austin 2018 ein „Abtriebs-Loch“, das zum plötzlich abreißenden Anpressdruck führte.

Gut möglich, zumal Ferraris Ingenieure schon nach den ersten Windkanaltests mit dem SF1000 einen „gravierenden Fehler in der Aerodynamik“ befürchteten. Die Befürchtung bestätigte sich im Wintertest in Barcelona, aber erst nach dem verspäteten WM-Start in Spielberg gab der auch für die Technik verantwortliche Binotto zu, dass man aerodynamisch eine falsche Richtung verfolgt habe.

Der inzwischen als Technikchef abgelöste „Pinocchio“ kündigte einen Komplettumbau an, doch der kommt offensichtlich nur Leclercs Fahrstil zugute. Das leichte Heck seiner Roten Gurke treibt Vettel dagegen zur Verzweiflung. Vielleicht wäre eine Blitz-Scheidung für beide Seiten eine Erlösung.