Hatten dann doch noch Grund zu jubeln: Dortmunds Torschützen Jadon Sancho (l.) und Erling Haaland (M.). Imago Images/Kirchner Media

So blau kann das Auge gar nicht werden, mit dem der BVB in der Champions League auf Kurs gekommen ist. Eine Vorstellung zum Davonlaufen bringt die Borussia gegen Zenit St. Petersburg mit Mühe glücklich ins Ziel. Erst ein Elfmeter sorgt für die Erlösung, er ist die Basis für ein 2:0 (0:0), das trotzdem viele Fragen offen lässt.

Ist das schon alles, was der BVB in der Königsklasse gebacken bekommt? War das 1:3 zum Start bei Lazio Rom schon mau, dann ist auch der mühsame Dreier gegen die Russen alles andere als eine Offenbarung. Es klappt nicht immer so wie zuletzt in der Liga beim 3:0 gegen Schalke, als sich Borussia den Gegner eine knappe Stunde zurechtgelegt und dann abgeschossen hat. Die Hoffnung, die Partie gegen Russlands Top-Verein könnte ein Double dessen werden, wird immer kleiner. Der BVB dominiert, hat deutlich mehr Ballbesitz, findet aber kaum die Lücke in Zenits Defensivbeton. Erst als Joker Thorgan Hazard von Wjatscheslaw Karawajew niedergerissen wird und Jadon Sancho das Elfmeter-Geschenk sicher einklinkt (78.), ist die Blamage abgewendet.

Was zuvor abgeht, ist ganz schwere Kost. Mit einer Vierer-Abwehr und einer Fünferkette nimmt Zenit dem BVB-Spiel jeglichen Raum. Marco Reus (der Kapitän steht mal wieder in der Startelf), Erling Haaland und Kollegen sind so gut wie nicht zu sehen. Das größte Dilemma aber ist: Die Schwarz-Gelben bekommen kein Tempo in ihre Angriffe, sie gefallen sich in kleinteiligen Aktionen, gewinnen kaum Tiefe und kommen fast nie hinter die gegnerische Abwehr.

Zäh quälen sich die Dortmunder durch die Partie. Von einfachem, geradlinigem Spiel ist nichts zu sehen. Je komplizierter, desto Borussia. Ein Schuss von Giovanni Reyna (15.), ein Versuch von Reus (39.), eine durchaus dicke Chance von Haaland (42.) – das ist es für ganz lange Zeit. Fast wäre es noch böser gekommen. Weil Roman Bürki zu spät aus seinem Kasten kommt, ist Alexander Jerokin mit dem Kopf da, zielt zum Glück aber drüber (35.).

Das bringt Trainer Lucien Favre in Erklärungsnot

Selbst als mit Artjom Dziuba der einzige Gäste-Stürmer zur Pause leicht verletzt in der Kabine bleibt und das eigentlich harmlose Angriffsspiel der Russen noch durchschaubarer wird, entschlüsselt wird die Zenit-Abwehr-DNA trotzdem nicht. Das, was da in Schwarz-Gelb durch das zuschauerlose Stadion wuselt, kann nicht der BVB sein. Viel zu pomadig geht es nach vorn, die Umständlichkeit ist geradezu spürbar und die zunehmende Verunsicherung zieht sich durch alle Mannschaftsteile.

Das bringt Lucien Favre, den ohnehin schon angeknacksten Trainer, in zusätzliche Erklärungsnot. Selbst wenn der Schweizer seinem Team einen Matchplan mitgegeben hat, zu erkennen ist keiner. Zu verschwommen, zu unstrukturiert und viel zu fahrig präsentiert sich der BVB. Für Europas Königsklasse ist das Gemurkse viel zu wenig, selbst als Haaland in der Nachspielzeit (90.+1) das 2:0 glückt. Das Ergebnis stimmt, die spielerische Leistung aber bleibt ein einziges Fragezeichen.