Emanuel Buchmann vom Bora-hansgrohe-Team stürzte bereis bei der Dauphiné-Rundfahrt. Bilder, die bei der Tour de France dieses Jahr vermehrt drohen.  Foto: dpa

Am 29. August beginnt die 107. Tour de France! Endlich, jubeln die Veranstalter, die nach der Corona-Verschiebung ihren Verpflichtungen gegenüber Sponsoren nachkommen und Kassen machen können. Die Vorfreude vieler Fans und Fahrer auf das größte Radsport-Spektakel der Welt ist dagegen eher gedämpft. Die Angst fährt mit. Diese Tour wird zum Höllenritt.

Die Frankreich-Rundfahrt – schon in „normalen“ Jahren eine Knochenmühle. Die Härte, um die knüppelsteilen drei Wochen durchzustehen, holen sich die Fahrer im Training und vor allem in Wettkämpfen. Aber die fielen wegen Corona reihenweise aus: Diese verpassten Kilometer Rad an Rad, die nicht erlebten Stunden fürs Renngefühl – sie fehlen.

Die Folgen: Die Fahrer wollen – auch wegen bisher fehlender Sieg- und Verdienstmöglichkeiten – zu schnell zu viel. Im Feld gibt es mehr Unruhe. Die vorhandene Unsicherheit stört die Konzentration, verleitet zu Leichtsinn und erhöht das Fehler-Risiko. Schwere Stürze sind nahezu unvermeidbar. Wohin das führen kann, zeigte die Dauphine-Rundfahrt, die Generalprobe für die Große Schleife.

Egan Bernal (23/Kolumbien), Tour-Titelverteidiger, gab mit Rückenverletzung auf.

Steven Kruijswijk (33/Holland), 2019 Dritter, renkte sich beim Sturz die Schulter aus.

Emanuel Buchmann (27/Ravensburg), Vorjahres-Vierter und deutsche Hoffnung, kam bei einer Abfahrt zu Fall, gab mit schweren Prellungen auf.

Primoz Roglic (30/Slowenien), Vuelta-Sieger 2019 und 2020 Maß der Dinge, krachte ebenfalls auf den Asphalt, stellte sein Rennrad vorzeitig mit tiefen Fleischwunden ab.

Nairo Quintana (30/Kolumbien), 2019 Tour-Achter und immer Geheimfavorit, zwangen quälende Knieschmerzen zum Aus.

Wer von den Stars dann in Nizza am Start steht, ist offen. Dazu kommt: Geraint Thomas (34), Sieger 2018 und Zweiter 2019, sowie Briten-Landsmann Chris Froome (35/ Triumphator 2013, 2015, 2016, 2017) sind außer Form, landeten mit riesigen Rückständen auf den Plätzen 37 bzw. 71.

Die Tour-Bosse reagieren mit Hygienekonzepten und allerlei Maßnahmen zwar auf die Virus-Zwänge, aber nicht auf die besonderen sportlichen Umstände. Sie bleiben dabei: 3470 Kilometer von Nizza nach Paris, verteilt auf 21 Etappen. Darunter acht Tagesabschnitte im Hochgebirge mit vier Bergankünften und insgesamt 29 kategorisierten Kletterpartien. Favoriten: verletzt, angeschlagen, außer Form. Ein Höllenritt.