Frankfurt/Main In schweren Zeiten zeigt sich der wahre Charakter eines Menschen. Die Welt ist in der Krise. Corona ist das Gespenst, was allen Angst macht. Bundestrainer Jogi Löw bringt es mit nachdenklichen Worten auf den Punkt: „Die Welt hat ein kollektives Burnout erlebt!“

In Zeiten der körperlichen Distanz wendet er sich per Videokonferenz an die Journalisten. Seine Tonlage ist gefasst, aber sehr eindringlich: „Die Corona-Krise hat die Welt fest im Griff und nichts ist mehr, wie es vorher war.“ Löw schätzt die Lage sehr realistisch ein, wenn er zu verstehen gibt, dass die Auswirkungen der Ausbreitung von Sars-CoV-2 auf den Fußball derzeit überhaupt nicht abzuschätzen seien.

Und sagt dann als Bundestrainer, der sich wie alle Nationalspieler und und Fans auf die abgesagte EM im Sommer gefreut hat: „Das ist allerdings momentan auch nicht wichtig. Der Fußball steht hinten an, andere Dinge sind jetzt wichtiger. Für mich zählt jetzt, was ist mit der Familie, mit Freunden, wo kann ich die Menschen in meiner Umgebung unterstützen?“

Der 60-Jährige spricht über sein Gefühl, dass sich die Welt auch „ein bisschen stemmt und wehrt gegen die Menschen und deren Tun. Der Mensch denkt immer, dass er alles weiß und kann. Und das Tempo, das wir in den letzten Jahren vorgegeben haben, das war auch nicht mehr zu toppen“, sagt Löw. „Machtgier, Profit, noch bessere Resultate, Rekorde standen im Vordergrund. Umweltkatastrophen haben uns nur so am Rande berührt, Krankheiten sind irgendwo stecken geblieben. Jetzt haben wir etwas erlebt, was die ganze Menschheit betrifft.“

Die Verlegung der EM 2020 in den Sommer 2021 ist die„völlig richtige und alternativlose“ Entscheidung. Wie die Planungen auch für das DFB-Team aussehen, kann Löw noch nicht sagen. „Ich bin nicht in der Lage, so weit nach vorne zu blicken“, ist der Bundestrainer ehrlich. „Die Entwicklung der letzten Wochen hat uns überrascht und überfahren.“

DFB-Präsident Fritz Keller kündigt die „strukturelle und finanzielle“ Unterstützung der Regional- und Landesverbände im DFB an. Einen entsprechenden Beschluss habe das DFB-Präsidium gefasst. Details nennt Keller zunächst nicht. „Wir wollen die Zukunft nutzen, um Lösungen zu erarbeiten“, erklärt der 62-Jährige. „Von der Kreisliga über die Regional- und Landesverbände bis hin zur Bundesliga.“ Es gehe nicht um „Ideologien, Vereinsfarben und vor allem nicht um Schuldzuweisungen“, sagt der DFB-Präsident. „Es geht darum, dass wir achtsam miteinander umgehen und die Regeln einhalten.“

Die Nationalspieler haben schon vor der Pressekonferenz angekündigt, 2,5 Millionen Euro für soziale Zwecke spenden zu wollen. Kapitän Manuel Neuer erklärt: „Wir müssen in solchen Zeiten aufeinander schauen. Wir alle sind ein ganz großes Team, nicht nur auf dem Fußballplatz, sondern auch in unserer Gesellschaft.“