Mann mit Maske: Peter Sagan vom deutschen Team Bora-hansgrohe will sein achtes Grüne Trikot. Foto: Imago Images

Nizza Sportlicher Neu-Anfang, Spiel mit dem Feuer oder einfach nur Wahnsinn? Heute startet in Nizza die 107. Tour de France (14 Uhr/ Eurosport, ARD ab 14.30 Uhr). Das größte Radsport-Spektakel steht wegen Corona vor einer seiner größten Herausforderungen.

176, vorm Start zweimal auf das Virus getestete Radprofis nehmen die auf 21 Etappen verteilten 3470 Kilometer in Angriff. Es wird die „Tour durch Krankreich“. Nizza und Umgebung (wie auch Paris) sind zur roten Covid-19-Zone mit Maskenpflicht unter freiem Himmel erklärt, die täglich gemeldeten Neuinfektionen bewegen sich jenseits der 6000er-Marke. Zum Vergleich: Als am 15. März die Etappenfahrt Paris-Nizza abgebrochen wurde, waren es 958 Fälle. Tour-Chef Christian Preudhomme (59): „Nur die Weltkriege haben die Tour bisher gestoppt.“

Die Profi-Teams werden nach allen Regeln der geltenden Corona-Kunst abgeschirmt, isoliert, gesichert. Selbst Familienbesuche sind tabu. Das größte Risiko ist ein anderes. Tony Martin (35), der Ex-Skispringer und Saison-Überflieger Promiz Roglic (30/Slowenien) zum Gesamtsieg und 500.000 Euro Prämie verhelfen soll: „Die Gesundheit der Zuschauer sehe ich eher gefährdet.“ Deshalb gilt für den Zeitfahr-Spezi aus Cottbus: „Ich werde mich bestmöglich abschotten, an die Hygiene-Richtlinien halten und positiv denken.“

Holland-Ass Tom Dumoulin (29) ist sich nicht sicher, ob das reicht: „Die Fans sind sehr enthusiastisch, wenn wir an ihnen vorbeifahren, das ist normal. Aber auf diesem Weg könnte das Virus in das Peloton gelangen.“ Er appelliert an die Menschen an der Strecke: „Tragt eine Maske. Das sollte verpflichtend sein.“

Trotzdem bleibt die Angst: Wie verlässlich sind die Tests? Wird die Tour zum Superspreader-Event? Erreicht das Feld Paris? Nicht nur für Simon Geschke (34), Berlins Etappengewinner von 2015 und zum achten Mal am Start, steht jetzt schon fest: „Es wird eine merkwürdige Tour.“